Emil Stumpp (1886-1941) – der bekannteste Pressezeichner der Weimarer Republik, ein vergessener Künstler der Weimarer Republik – in der DDR „wiederentdeckt“ durch seinen Schwiegersohn, den Komponisten Kurt Schwaen aus Berlin-Mahlsdorf mit seiner Veröffentlichung „Über meine Köpfe: Texte, Porträts, Landschaften“ (Berlin, Der Morgen 1983).
Um die 20.000 Bilder brachte er, zumeist mit Holzkreide als Entwurf zu Papier, das dann mit einem speziellen Umdruckverfahren auf den Lithostein gebracht wurde, ist in einer Auswahl von Porträtzeichnungen nun in einer Ausstellung im Grafischen Kabinett in Augsburg zu sehen, die gestern eröffnet wurde, und zum überwiegenden Teil aus der Sammlung des Augsburger Pressehistorikers Dr. Martin Welke (Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum) bestückt wurde, der auch die detailreiche Einführung hielt.
Bert Brecht und Gerhart Hauptmann, Käthe Kollwitz und Heinrich Zille, Konrad Adenauer und Franklin D. Roosevelt, Albert Einstein, Max Schmeling und Fridtjof Nansen – Stumpp zeichnete sie alle in den „Goldenen Zwanzigern“ (und Dreißigern).
»Kunstkritiker attestierten ihm [...] eine fast übernatürliche Begabung zum „psychologischen Porträt“: Bei aller Sachlichkeit schwinge stets „ein starker und vernehmbarer Unterton mit, der das seelische und geistige Profil des inneren Menschen bloßlegt.« (zitiert aus dem Flyer der Kunstsammlungen & Museen Augsburg)
„... das Profil des inneren Menschen bloßlegt“ – so nimmt es nicht wunder, dass ein wenig schmeichelhaftes Hitlerporträt, „nach dem Leben gezeichnet“ (so der Unter-Bildtitel), veröffentlicht zu Führers Geburtstag am 20.4.1933 im „Dortmunder Generalanzeiger“, seiner Karriere ein abruptes Ende bescherte.
(Matthias Haberzettl)
Über die Ausstellung wird hier in der Augsburger Allgemeinen berichtet.
Hier findet sich der Flyer zur Ausstellung.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. November 2017.
Kunstsammlungen & Museen Augsburg
Grafisches Kabinett
Maximilianstr. 46, 86150 Augsburg
In Kooperation mit der Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum