Pirckheimer-Blog

Die DEG-Kleingrafik des Monats versucht sich über den Stand der Dinge dieser Ära zu verlautbaren: die Kunst als Instanz von Einhalt und Wahrnehmung ...
Mo, 01.06.2026

DEG: Grafik des Monats Juni 2026

Die DEG-Kleingrafik des Monats für den Juni ist das Blatt Dispair von Horst Brandenburg. Es handelt sich dabei um einen sprechenden Titel (das englische Wort bedeutet Verzweiflung) und bei dem Objekt um ein höchst aktuelles Blatt, das sich künstlerisch in Form eines Holzstichs zu den Verwerfungen der Zeit verhält. Da das 21. ganz offenbar in Verlängerung des in der Hinsicht verheerenden 20. Jahrhunderts eines der Kriege sein soll, wird sich das auch weiter in die Kunst wie die Kunstgeschichte eingraben. „Der Künstler dieser Kleingrafik ist in der DEG gut bekannt. Sein P. F. zum Jahreswechsel hat jedes Mitglied erhalten. Nun wurde Horst Brandenburg aus Mecklenburg-Vorpommern mit dem Jury-Preis des DEG-Wettbewerbs ausgezeichnet. Stellvertretend für seine eingereichten Holzstiche stellen wir diese bewegende Grafik vor.“ So beschreibt es Siegfried Bresler in seinem Begleittext zur Exlibris-des-Monats-Rubrik. Und gibt auch einen Einblick für die Situation, nun, und den Anlass der Entstehung der grafischen Arbeit: „Die Idee zu dem Blatt kam Horst Brandenburg, als er beim Zahnarzt wartend in einer Zeitschrift das Foto des Jungen aus dem Gaza-Streifen sah, der verzweifelt seinen Kopf in die Hände an der Stirn stützt und apathisch auf den Boden blickt.“ Und: „Das Foto berührte ihn so sehr, dass er mit den Eindrücken die Grafik mit dem Titel Dispair (...) entwarf. In der Grafik bildet der in der Hocke sitzende Junge, der auf einem Quader positioniert ist, den Bildmittelpunkt.“ Keiner soll sterben / Von einer anderen Hand – / Zu keiner Zeit, Bro. So möchte man es gern an die Wände geschrieben wissen – Bresler spürt in seinem Begleitwort dem Leid nach, das am Ende in der Regel vor allem Verheerung hinterlässt, hier wie da. In einer zunehmenden Ideologisierung der Debatten wird es zunehmend schwer, darüber zu sprechen; vielleicht vermag es ja die Kunst als aufklärerische Instanz, wenigstens eine Nachricht über den Zustand der Welt abzugeben und dass man sie sich befriedet wünscht, rum wie num. Punkt.

(Bert Blaubart via DEG/Pressemitteilung)

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