In gewisser Hinsicht ist die Veranstaltung im ehemaligen Domizil derer von Arnim im Fläming die Überschneidung zweier Legenden: des Nachruhms des nicht unumstrittenen, aber übergroßen Dichters, Erzählers und Dramatikers Peter Hacks mit einem Sehnsuchtsort, einem Mekka vieler Künstler, gleichsam, ob sie schon da waren oder nicht: dem tief in Stille und in märkischen Wind gebetteten Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Das Idyll im brandenburgischen Outback zog eine Vielzahl Kreativer in den Bann, begonnen bei Johannes R. Becher und Anna Seghers über Sarah Kirsch oder Thomas Rosenlöcher, die dem lyrischen Wiepersdorf-Genre Hohes beifügten, bis in die unmittelbare Gegenwart. Am 08. Oktober stellt Hacks-Experte Matthias Dell das neue Opus aus der Reihe der Frankfurter Buntbücher vor, die ihre Heimat im Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) wie im Verlag für Berlin-Brandenburg haben: Heft 72, just eben dem Großdichter gewidmet, der am 254. Geburtstag seines Dichtergotts Goethe, am 28. August 2003, 75-jährig starb. Dass nun ein Wiepersdorf-Sonntag dem seinerzeit meistgespielten Stückeschreiber der DDR, dem es darum ging, eine sozialistische Klassik zu etablieren, wie dem jüngsten Heft der schönen Reihe gewidmet ist, verspricht einiges. Hacks, der sich mit der Fenne, seinem Sommerhaus bei Groß Machnow, das er 1973 erwarb und 1974 mit seiner Frau Anna Elisabeth Wiede bezog, einen alten Traum erfüllte, staffierte das Anwesen ganz nach seinem Geschmack aus, und es wurde so Teil der Aura um ihn, seine Haltung, sein Werk, das nach der Wende mehrfach angefeindet wurde, wofür der Meister selbst einiges Öl noch ins Feuer goss. Bis zum Ende seines Lebens spielte das Anwesen eine große Rolle im Leben des Dichters, der sicher zu den großen Gestalten der Literatur des letzten Jahrhunderts zu zählen ist. Das Gespräch zu Buch und Leben Peter Hacksens findet im Verbund mit Ronald Weber statt, einem weiteren Spezialisten zum Thema, dessen bedeutende Biografie Peter Hacks – Leben und Werk 2018 im Eulenspiegel-Verlag erschien. Die Veranstaltung beginnt 15 Uhr. Die illustrierte Reihe der Buntbücher gehört wohl zu den schönsten kleinen Editionen des Landes.
(André Schinkel/Pressemitteilung)