in Gestalt von Schränken, Telefonzellen oder anderweitig überdachten Behältnissen, verbreiten sich auf angenehme Weise für die Freunde/innen der Bücher als einen Ort, wo man ohne Zwang und Beeinflussung eine Leidenschaft unterstützt und durch Unbekannt gefördert bekommt. Stets kostenfrei und ohne Verpflichtungen können hier Leseratten oder Bibliophile ihren Neigungen nachgehen. Was andere an Lesestoff nicht mehr benötigen, findet in den Bücherkisten Platz zum Auswählen, Stöbern aber auch Entdecken, wenn sich plötzlich die Erstausgabe eines Werkes findet, dass man schon lange für seine Sammlung gesucht hat oder man ein Buch entdeckt, dass selbst in Antiquariaten vergriffen ist. Diese neue Form der Öffentlichkeit im Umgang mit Büchern ist ein erfreulicher Beweis dafür, dass es unter den Menschen doch etwas gibt, dass von einer uneigennützigen Form der Bereicherung gekennzeichnet ist und eine Gemeinschaftlichkeit charakterisiert, die dem Leben eine soziale Form verleiht. Eine Form, deren Gesetzlichkeit, wenn man überhaupt davon sprechen kann, auf Freiwilligkeit ohne irgendwelche Besitzansprüche beruht, ganz so, wie man sich ein Leben auf diesem Erdenrund erträumen würde. Man stelle sich vor, es gäbe kein privates Eigentum, weder an Produktionsmitteln, noch an Grund und Boden oder Menschen. Für uns Heutige unvorstellbar, weil unsere Altvordern dem Nachbarn, in Wald und Flur, Platz zum Leben streitig gemacht hatten und beizeiten um die Aufteilung der Welt bemüht waren. Doch lassen wir Geschichte Ergebnis sein, die Leseratten und Büchersammler waren schon immer ein eigenes und manchmal seltsames Völkchen, die mit ihrer Leidenschaft eigene Gesetze schufen. Und so bleibt auch die Bücherkiste eine gesellschaftliche Rarität, über die wir uns freuen, dass sie durch ihre Vielfalt unser Leben bereichert.
(Harald Kugler)