Pirckheimer-Blog

Buchillustration

So, 07.06.2026

Lutz Steinbrück: Bleiben wie’s nie war. Gedichte. Mit 6 Grafiken von HT Kløver. Berlin: KLAK-Verlag 2025, KlBr, 92 Seiten, ISBN 978-3-911617-10-9, für 15 Euro. Wie in seinem Vorgänger "Haltlose Zustände" (2020) treibt den Autor des Buchs ein „diffuses Unbehagen“ an der Welt und Epoche ... die unsere Gegenwart ist.

‚Die Götter entwaffnen‘: Gedichte Lutz Steinbrücks zur Zeit bei KLAK

Zwei Tugenden der dichterischen Existenz sind: Durchhalten und Beständigkeit in den Werkzeugen. Von daher ist die Aussage, dass der jüngste Gedichtband von Lutz Steinbrück, Bleiben wie’s nie war, erschienen im Frühjahr 2025 im Berliner KLAK-Verlag, an seinen Lyrikvorausgänger Haltlose Zustände (2020) anschließt, nicht ehrenrührig, im Gegenteil. Nun sind die Zeitläufte auch nicht besser geworden, das ganz und gar im Gegenteil. Steinbrücks Gedichte sind nah und hochgradig seismografisch am Takt der Epoche, die eine welke und zugleich gefährliche ist; ihre Trübtassigkeit ist allerdings nicht dazu geeignet, unaufmerksam zu werden ... und genau da setzt die Dichtung Lutz Steinbrücks ein. Ein „diffuses Unbehagen“ an der Welt, so oder so ähnlich war bereits der Tenor des zuvor edierten Gedichtzyklus; hier nun setzt, so hebt es bereits in den Linernotes von Bleiben wie’s nie war rück- wie vorausverbindend an, Steinbrück auf die Verklarung, Verschärfung des Blicks im Fokus des Worts und auch ihrer teils be-, teils entseelten Hülsen, die er im Bezug auf den Alltag herauszieht und in Nutzung nimmt, sich damit um ein Abbild des all-gegenwärtigen Absurdistans bekümmernd. Bereits die Kapiteltitel im Buch verweisen darauf: mit Fremdschemen, Die Götter entwaffnen, Tragende Verluste und Aus den Fugen seien vier symptomatisch aus dem Reigen der sieben Unterzyklen des Bandes genannt. Oh, und zugleich ist es so, dass jene Erkenntnis der Misere als Bewusstwerdungsprozess unerlässlich ist und bleibt: „wieder und wieder / wiederholen was / klar scheint /doch nicht ankommt ...“ Oder, sich erwehrend in der Wahrnehmung schon:Eingelaufene Gedanken // zu treffen im Gehirnwaschgang / im Auge der Betrachterin ...“ Und: den Grad an Fäulnis in der Zeit teils überklar benennend, die schillernde Gefahr ... – vom Schmeißfliegenberg der Geschichte wie vom Mont Klamott der anwachsenden Verpixelung her. Ja, in Lutz Steinbrück, der zugleich auch Songwriter für (sic:) Lutzilla ist, kocht das hoch in Loops und Slogans, zieht die Axt des Fingers in der Wunde de facto einen Scheitel im Auge des Lesers. Und endet: „als ob wir je dazugehörten ...“, und: „zerriesel’ ich im Januswind ...“ Wehe uns – nach wie vor. Doch die Bögen sind gespannt, um die „Auswüchse gesundzuschrumpfen“. Und das ist der Anfang. Ein so bedenk- wie bemerkwürdiges Buch, flankiert von einem Gespräch mit dem Dichter und den Arbeiten HT Kløvers: Die dräuenden Götter, die sich gebärden und am Ende Schemen sind, gehören entwaffnet. 

(André Schinkel)

Sa, 30.05.2026

Berühmt durch "Mullewapp" und "Tabaluga": Helme Heine. Der Künstler schuf auch Kunstwerke für das Günter Grass-Haus. Sie sind bis Januar in Lübeck zu sehen – in der nahen Kinder- und Jugendbibliothek.

„Helme Heine – Es war einmal ...“ in Lübeck: Ausstellung bis 10.01.2027

Mit der Ausstellung Helme Heine – Es war einmal … widmet sich das Günter Grass-Haus einem der bedeutendsten Bilderbuchkünstler unserer Zeit. Helme Heine war zeitlebens unterwegs – geografisch wie künstlerisch: von Berlin über Afrika und Irland bis nach Neuseeland, vom Theater hin zum international gefeierten Autor und Illustrator. Im vergangenen Jahr verstarb der große Schöpfer kleiner Bildwelten in seinem neuseeländischen Zuhause am Meer.

Seine Figuren – etwa die „Freunde“ aus Mullewapp oder der kleine grüne Drache Tabaluga – sind weltweit bekannt. Neben Illustrationen aus seinen Klassikern zeigt die Ausstellung vor allem neuere Arbeiten. Diese illustrieren mit feinem Humor zentrale gesellschaftliche Themen unserer Zeit wie Klimawandel, Migration, Geschlechtergerechtigkeit, Frieden und Demokratie.

Erstmals werden zudem Werke präsentiert, die Helme Heine eigens für das Günter Grass-Haus geschaffen hat und die auf den Nobelpreisträger und Lübeck Bezug nehmen. Ergänzt werden diese Arbeiten durch Dokumentationen des letzten, bewegenden Besuchs der Kuratoren beim Künstler im bayerischen Prutting kurz vor seinem Tod. Dort gewährte Helme Heine persönliche Einblicke in seinen künstlerische Arbeit, begegnete dem Team mit Offenheit, Vertrauen und großer Herzlichkeit. Eine Begegnung, die die Arbeit an der Ausstellung auf besondere Weise prägte und inspirierte.

Eine Auswahl der Werke wird in der Kinder- und Jugendbibliothek der Hansestadt Lübeck (Hundestraße 05, 23552 Lübeck) präsentiert – die sich nur wenige Schritte vom Günter Grass-Haus entfernt befindet. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museumsshop erworben werden kann. Ein begehbares, aus Holz gefertigtes „Mullewapp“-Dorf, zahlreiche Originalskizzen und -entwürfe sowie Mal- und Zeichenstationen laden Kinder und Erwachsene gleichermaßen dazu ein, zu entdecken, zu spielen und zu staunen. Die Schau wurde kuratiert von Carl Manzey und gestaltet von Berit Reutershan und ist noch bis zum 10. Januar 2027 in der Hansestadt zu sehn. 

Alle Informationen dazu finden sich auf der Webseite des Günter Grass-Hauses. Am 05. Juni wird eine Führung durch die Ausstellung angeboten, sie beginnt um 17 Uhr. Wer mag, kann sich um 18 Uhr im Anschluss der Führung durch das Günter Grass-Haus (in der Glockengießerstraße 21, 23552 Lübeck) anschließen. Gute Gelegenheit, das Forum für Literatur und Bildende Kunst zu besuchen!

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Do, 21.05.2026

Meid-Preis 2026 für Katrin Stangl

Den renommierten Hans-Meid-Preis der Hans-Meid-Stiftung für das Jahr 2026 erhält die 1977 in Filderstadt geborene Illustratorin und Grafikerin Katrin Stangl, die in Köln lebt und arbeitet (momentan eigentlich im Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop, wo sie ein Stipendium hat) und auch als Autorin hervortrat. Die überaus gute Kunde meldet unter anderem das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von diesem Montag. Stangl, die an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig studierte, ist eine Schülerin von Volker Pfüller (1939–2020), der eine große Zahl der heutigen Illustratoren-Elite begleitete – sie wurde bereits vielfach für ihr so umfangreiches wie motivreiches buchillustratorisches und grafisches Werk geehrt. Auch Postkartenserien, Plakate und Spieledesigns gehen auf sie zurück. 2018 wurde Katrin Stangl, die mit Heike Herold ein Atelier in Köln betreibt, mit dem Preis der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Ihre Illustrationen erscheinen in zahlreichen namhaften Verlagen und Editionen, so in der Insel-Bücherei (vgl. die Abb.) oder bei der Büchergilde Gutenberg. Der Hauptpreis der Hans-Meid-Stiftung ist mit feinen 15.000 Euro dotiert. Er wurde in den vorhergehenden Jahren zuletzt unter anderem an die Holzschneiderin Petra Schuppenhauer, den Graphic-Novel-Künstler Jakob Hinrichs und die Kaltnadelradiererin Claudia Berg vergeben. Besonders hob die Jury bei der diesjährigen Vergabe die außerordentliche Vielfalt der künstlerischen Mittel hervor, mit der Katrin Stangl ihre Buchprojekte bearbeitet. Und – es gibt auch weitere Preis- und Stipendienvergaben im Hans-Meid-Preis-Vergabejahr 2026. So wurde Jan Peter Tripp der mit 5.000 Euro Ankaufswert verbundene Ehrenpreis für das Lebenswerk zugesprochen. Desweiteren werden vier Stipendien, stets mit 3.500 Euro dotiert, verliehen. Sie gehen an Johanna Rast, Hannah Plickert, Nora Ahrens und Tino Theumer. – Allen Geehrten sei hier von Herzen gratuliert! Die Verleihung der Preise findet am 26. November im Grassi-Museum in Leipzig statt.

(André Schinkel)

Mi, 29.04.2026

Der "Gratis Comic Tag" findet 2026 am 09. Mai statt.

Am 09. Mai 2026 ist wieder „Gratis Comic Tag“ an 1.100 Buchorten!

Was ist der Gratis Comic Tag? Der Gratis Comic Tag ist ein besonderer Tag für alle, die Comics lieben – und für alle, die sie vielleicht erst noch entdecken wollen! Einmal im Jahr verschenken Buchhandlungen, Comicläden und Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz viele tolle Comics komplett kostenlos. Ziel ist es, Lesespaß zu wecken und Kinder, Jugendliche und auch die Erwachsenen für die bunte Welt der Comics zu begeistern. An diesem Tag, der am 09. Mai stattfindet, kannst du einfach vorbeikommen, dir Comics aussuchen und diese mit nach Hause nehmen – ganz umsonst! Ob lustig, aufregend oder fantastisch – für jedes Alter ist etwas dabei. In nur wenigen Tagen reißen fast 1.100 Buchhandlungen, Comic-Stores, Büchereien und Bibliotheken in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Türen auf und freuen sich auf große und kleine Comic-Fans! Folgende ausgewiesene Verlagshäuser mit respektablen Comic-Programmen sind an der Aktion beteiligt: Carlsen und Chinabooks, Cross Cult, Edition Helden, Egmont, Kibitz, Klett Kinderbuch, Panini, Reprodukt, Splitter und schließlich Ueberreuter. Insgesamt 22 Comics sind zig-tausendfach produziert, versendet und freuen sich nun auf euch. Die beteiligten Bücherorte und Comic-Händler können wie auch die Einzeltitel der Comics auf der hier verlinkten Website eruiert werden. Auch für die beteiligten Buchhandlungen sind dort alle Infos zum 09.05. eingestellt.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Sa, 25.04.2026

"Kein Kinderkram. Comics für Kinder" ab 26.04.2026.

Bilderbuchmuseum ab 26.04.: „Kein Kinderkram. Comics für Kinder“

Kein Kinderkram. Comics für Kinder, die neue Ausstellung im Bilderbuchmuseum Troisdorf (Burgallee 01, 53840 Troisdorf) ist vom 26. April bis zum 30. August 2026 zu sehen. Lange rümpfte man in Deutschland beim Thema Comics die Nase, denn das Genre, das vom amerikanischen Markt nach Europa schwappte, war schon sehr früh als Schmutz- und Schundliteratur abgetan. Dies galt vor allem für Comics für Kinder, denn als geradezu verpönt erschien es, Geschichten für junge Leserinnen und Leser mit bunten Bildchen erzählen zu wollen. Seit einigen Jahren wandelt sich diese Einstellung – und immer mehr Kinder- und Jugendbuchverlage entdecken den Kindercomic neu. Sie werden mit Niveau produziert und verlegt – nicht für den üblichen Heftchenmarkt, sondern in schön gebundener Form und durchaus spezialisiert für Leseeinsteigerinnen und -einsteiger. Denn heute weiß man: Comics schulen die Wort-Bild-Verknüpfung und unterstützen damit das Begreifen von Wörtern und deren Inhalten. Durch das visuelle Einbetten von Kontexten wird das erlernte (Wort-)Schreiben und Lesen schneller erfasst und tiefer im Gedächtnis verankert ... Um diesem aktuellen Markttrend nachzugehen, zeigt das Bilderbuchmuseum von April bis August 2026 eine Auswahl von Kindercomics, die derzeit den Bilder- und Kinderbuchmarkt stark beeinflussen. Den „roten Faden“ durch die Ausstellung in Troisdorf bilden dabei zu großen Teilen das Polle-Magazin und die Auswahl der hier wiedergegebenen Comicgeschichten. Unter diesem Link gibt es alle Infos.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

Mo, 16.03.2026

Dem Grafiker, Illustrator, Maler Frans Masereel ist im französischen Épinal eine Retrospektive gewidmet.

Frans-Masereel-Schau in Épinal

Un art entre révolte & rêverie – heißt die vielbeachtete Ausstellung zum Werk des großen flämischen Künstlers Frans Masereel (1889–1972), die seit dem 14. Februar und bis zum 20. September im Musée de l’Image in der Ville d’Épinal (am 42 Quai de Dogneville, F-88000 Épinal) in den Vogesen (GE) im Nachbarland Frankreich zu sehen ist. Masereel, der auch in Deutschland u. a. als Illustrator von Stefan Zweig und Romain Rolland hoch verehrt wird, ist auch durch sein leidenschaftliches Engagement für Humanismus zum Signet und zur Ikone geworden. Das Musée de l’Image ist Di bis Fr von 9.30 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr geöffnet, an den Wochenenden von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr. Eine innige Empfehlung Roger Vander Lindens, Pirckheimer und Vize der Masereel-Stiftung! 

(André Schinkel via Till Schröder)

Mi, 11.02.2026

Martha (Irene Leps): "Nachts zwischen den Büchern".

„Nachts zwischen den Büchern“

Das neue Kinderbuch von Martha Irene Leps, Künstlerin und Erzählerin aus Zerbst (Anhalt)

Es war einmal – eine kleine Hexe, die ein neues Zuhause suchte, nachdem sie die Hexenschule absolviert hatte und nun „groß und schlau genug geworden war“. Natürlich war sie trotzdem klein von Gestalt, aber das ist ja relativ, wenn es um Größe geht, wie wir alle wissen. Es gäbe viele Lieblingsplätze, die sie sich als neuen Wohnort vorstellen konnte, doch irgendetwas war immer: eine fiese Kreuzspinne, die ihre Nähe als Nachbarin nicht wollte oder das Schild Räumungsverkauf im Papierwarenladen, in dem sie sich auch ein Leben hätte vorstellen können. Sie nahm sich von dort wenigstens einen Flugbleistift mit, denn einen Besen hatte sie nicht dabei. Die Hexe folgte neugierig einigen Kindern, die in ein großes Haus gingen, und dort fühlte sie sich sofort am wohlsten! Inmitten von Büchern einer Bibliothek. 

Nachts zwischen den Büchern hat die Künstlerin Martha Irene Leps alias Martha ihr neues Buch für alle, die Bücher lieben, genannt, das sie, wie alle ihre Kinderbücher, zum sofort Gernhaben liebevoll und ideenreich verfasst und illustriert hat. Die großen Doppelseiten können jede für sich als Solitär stehen. Sie sind bunt, doch nicht grell, und ganz Marthas grafischem Talent entsprechend harmonisch, ausdrucksstark und vollflächig gestaltet. Die Bücher, zwischen denen die kleine Hexe wohnt, sehen aus wie richtige Bibo-Bücher – mit Banderole und Nummer, und sie tragen richtige Namen wie richtige Bücher. Schließlich sind wir ja auch in einer richtigen Bibliothek. Sie sind zugleich Anregungsgeber und stabiles Element der Welt, an denen sich gut auch eine imaginierte Hängematte befestigen ließe, nicht nur die der kleinen Hexe, in die sie sich mit einem – hexfix! – kleingezauberten Buch begibt, nachdem sie ihre Zudecke, die sie immer dabei hat, darin aufgeschüttelt hatte ... Die Darstellungen und die Geschichte, die Martha erzählt, vermitteln trotz neuer und unbekannter Umgebung Ruhe und eine selbst geschaffene Ordnung. 

Aufmerksam beleuchtet die Mondfrau das Geschehen und den spannenden Krimi, der sich ein paar Nächte später, nachdem die kleine Hexe sich ein Buch von Hans Christian Andersen –, ja, kleingehexfixt hatte, entspann, denn sie stellte fest, dass einige Seiten des Buches ziemlich zerrupft und beschmiert sind. Ursache dafür sind zwei Monster, die sich an den Büchern vergehen, so dass Märchenfiguren von den zerfressenen und beschmierten Bücherseiten vertrieben werden und hilflos umherirren. Die kleine Hexe rettet sie und sammelt sie mithilfe ihres Flugbleistiftes auf. Und sie wäre ja nicht erfolgreich von der Hexenschule gekommen, wenn sie keine Lösungen gegen die Unwesen finden würde, und das, obwohl das Seitenfressermonster ein großes Stück von ihrem Zauberspruchmerkheft abgebissen hat. Die Monster werden am Ende gebannt. Und es ist nicht die einzige unaufdringliche Botschaft dieser Geschichte, nämlich, dass jeder seine Monster zwischen zwei Buchdeckeln fesseln könnte, und wenn es auch ohne Zauberspruch länger dauerte und bestimmt mehr Arbeit machte – doch wer weiß von uns schon, wie viel Kraft so ein Zauberspruch kostet, und vor allem einer, der Gutes bewirkt. 

Nachts zwischen den Büchern eignet sich hervorragend als Abendlektüre, wenn man es allein, egal, in welchem Alter, oder mit dem Kind oder Enkel auf dem Schoß liest und betrachtet, der spannend schönen Geschichte folgt und die vielen Details nach und nach gemeinsam entdeckt. Es weckt in jedem Fall das Interesse an Büchern, am Lesen, am Nutzen einer Bibliothek und vielleicht auch am Schreiben, am Hinein- oder Wegschreiben von Unliebsamem und auch Erfreulichem, an allem, das man gern zwischen zwei Buchdeckel legen möchte. Und wer weiß, vielleicht erlebt die kleine Hexe ja noch mehr Abenteuer, die Martha uns demnächst erzählen wird. (Martha, das ist Martha Irene Leps: Nachts zwischen den Büchern, bei www.martha-art.de – oder aber über die E-Mail martha_art@yahoo.de – bei der Autorin bestellbar, ISBN 978-3-00-083054-9, 17 Euro.)

(Sabine Raczkowski)

Mi, 28.01.2026

In Potsdam: Bücherkinder on Film

Bücherkinder on film! Am 25. Januar war es soweit: Premiere des Arte/ZDF-Films Das Einhorn. Kulturgeschichte einer Sehnsucht von Mathias Frick (2025, 52 Minuten) im Museum Barberini. Der Veranstaltungssaal im dritten Stock proppevoll, aufgeregte Kinder in der ersten Reihe. Denn auch die Bücherkinder Brandenburg spielten eine gewichtige Rolle im Film, der anlässlich der großen Potsdamer Ausstellung Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst entstand. Nach kurzen Worten der Produzentin Eva Rink und Museumsleiterin Ortrud Westheider ging es los. Der Bogen im Film spann sich von der Bibel und Heraldik über Kirchenkunst und Moderne bis ins Jetzt, zu einem schwarzen Einhorn von Carsten Nicolai und den Rainbow-Unicorns der LBGTB+-Community. Eindrückliche Bilder, interessante Einsichten der Kuratoren, Kamerafahrten entlang der Objekte – auch vielen illuminierten Büchern und naturkundlichen Berichten: Der Film erzählte umfassend aber nicht langatmig von christlicher Bedeutung und weltlicher Ermächtigung. Genau richtig. Neben Kuratoren aus Edinburgh, aus New York, Paris oder Potsdam, einer Restauratorin aus Brandenburg oder dem Archivleiter in Schwäbisch-Gmünd, das sich ältestes Stadtwappen mit Einhorn in Deutschland auf die Fahnen schreiben kann, kamen auch die Bücherkinder zu Wort und ins Bild, die ihre ganz eigene Herangehensweise ans Ergründen des Fabeltiers aufzeigten: schreibend und zeichnend. Die Bücherkinder waren dabei, als ein mittelalterlicher Wandteppich mit aufsehenerregender Stilistik in einer Kirche in Brandenburg für die Ausstellung entdeckt und abgenommen wurde. Sie lesen aus ihren Geschichten im Ausstellungsraum im Barberini, sie diskutieren in ihrem AG-Raum in der Schule. Mit viel Beifall setzte der Abspann ein. Im Publikum nicht nur Eltern, auch Möglichmacher wie Museums- und Archivleiter, Kuratoren, Restauratoren, Filmproduzenten, Fernsehredakteure. Sie alle holt Mathias Frick sich bedankend nach vorn, auch die Bücherkinder. Was auch beeindruckte: die immense Wuselei im gesamten Museum. Viele, viele Besucher stürmten das Barberini anlässlich des Tags der Offenen Tür. Die Warteschlange vor dem Haus reichte beinahe hinüber bis zur Kirche. Da ahnt man vielleicht, was auf Paris zukommt: Denn ins Museé de Cluny mit seinem berühmten Einhornsaal aus Wandteppichen wandert die Schau demnächst weiter. Ab 09. März gastiert sie an der Seine. Ein toller Tag für die Brandenburger Bücherkinder und ihren Mentor Armin Schubert, im Pirckheimer-Kosmos aktiv seit über fünfzig Jahren. Sobald die Sendetermine feststehen, geben wir hier im Blog Laut. Unbedingt ansehen!

(Till Schröder)

Do, 08.01.2026

Potsdam-Bornim: Manfred Butzmann ist gestorben.

Trauer um Manfred Butzmann

Der Träger des Käthe-Kollwitz-Preises und des Brandenburgischen Kunstpreises, der Grafiker und Illustrator Manfred Butzmann (1942–2026) ist in seiner Heimatstadt Potsdam, im Stadtteil Bornim, in dem er auch geboren wurde, am 04. Januar im Alter von 83 Jahren gestorben. Vor allem den Berlinern ist er als unbestechlicher Chronist ihrer Dinge im Gedächtnis geblieben. Butzmann wuchs in Eutzsch im Wittenbergischen auf und studierte nach einer beruflichen Ausbildung zum Offsetretuscheur und Malübungen in Caputh in Weißensee bei Werner Klemke, Arno Mohr und Klaus Wittkugel. Nach seiner Meisterschülerschaft bei Werner Klemke arbeitete Butzmann als Buchillustrator und Einbandgestalter, machte sich als Grafiker, Aquarellist und Plakatkünstler einen Namen. Berlin verdankt ihm viele Abbilder seiner rauen Seele“, schreibt die tageszeitung vom 06. Januar in ihrem Nachruf auf Manfred Butzmann. Und: „Butzmann, das ist beste ‚Berliner Schule‘, sein künstlerischer Blick glitt über Menschen und Stadt, sah einen Schwarzen Giebel, der sich roh auf der Wand des Nachbarhauses abzeichnete, oder den Anhalter Puff, ein pervers pink getünchtes Haus, während nebenan alles wegbrach.“ Und mit einer besonderen Vorliebe gestaltete Butzmann, dessen Ausstellungsplakate Maßstäbe setzten, auch Frottagen, Abreibungen u. a. von Berliner Hausfluren, aber auch von Grabsteinen und Türblättern. Seine überaus unkonventionelle Plakat-Kunst setzte Butzmann auch für zahlreiche öffentlich relevante Themen ein. 2007 zog es ihn zurück nach Potsdam-Bornim, wo er am vergangenen Sonntag starb. Er illustrierte u. a. Bücher und Textzyklen von Maxim Gorki, Iwan Turgenjew sowie Gustav Meyrink und Nikos Kazantzakis.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 18.12.2025

22.11.: Illustrieren in Zeiten der KI

Bericht von einer Podiumsdiskussion in Berlin-Kreuzberg im Rahmen der artbook.Berlin 2025

Die Illustration befindet sich in einem Umbruch. Was bedeutet es, Bücher, Magazine und Plakate in einer Zeit zu gestalten, in der KI binnen Minuten Bilder erzeugen kann? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Theorienetzwerk Illustration in einer Diskussion. Die lose Initiative von Praktikern und Theoretikern, die aus dem Buchprojekt superILLU hervorgegangen ist, trifft sich seit zwei Jahren regelmäßig online zu Vorträgen und Gesprächen. 

Zum zweiten Mal fand eine Live-Veranstaltung im Rahmen der artbook in Berlin statt, nachdem letztes Jahr ATAK, Mina Braun, Volker Schlecht und Nina Pagalies über Grenzen und Grenzgänger der Illustration nachdachten. Unter dem Titel Illustrieren in unsicheren Zeiten. Wie reagiert die Lehre auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts? diskutierten am 22.11.2025 diesmal fünf Illustratoren und Dozenten über die Zukunft ihres Berufs und die Anforderungen in der Lehre. 

Auf dem Podium saßen diesmal eine Reihe gestandene Praktiker, die gleichzeitig unterrichten: Irmela Schautz als Illustratorin und Dozentin an der Akademie für Illustration und Design (AID Berlin) sowie Jakob Hinrichs, Comic-Illustrator und Dozent an der Universität der Künste Berlin, weiterhin Christian Gralingen, Illustrator und Dozent am Lette Verein Berlin. Moderiert wurde die Diskussion von Andreas Rauth, Gestalter, und Till Schröder, Journalist, die ebenfalls beide an der AID Berlin lehren. 

„Die technologische Entwicklung hat den Beruf schon immer geprägt“, begann Andreas Rauth und warf einen historischen Blick auf die Konjunkturen der Illustration – von der Lithografie über den Offsetdruck bis hin zur Fotografie. Auch in den 1990ern hieß es bereits, die Illustration sei durch den Computer abgehängt. Ein Argument, das heute mit KI wiederkehre, so die Ausführungen weiter. KI locke mit einfachen und schnellen Ergebnissen.

Interessanterweise beobachten die Diskutanten bereits jetzt Gegenreaktionen. So berichtet Christian Gralingen von einem Trend zu bewusst einfachen, schnellen Skizzen, die eindeutig nicht aus der KI stammen. Auch die Schaubühne Berlin setzt gerade auf eine Serie handgemachter Illustrationen für eine Plakatkampagne im Stadtraum. Till Schröder ergänzt diese Beobachtung: Die Sehnsucht nach dem Authentischen und Haptischen könnte eine Reaktion auf die Überflutung mit polierten, computergenerierten Bildern sein. „Ähnlich wie beim Tätowieren im Handpoke-Stil, der bewusst naiv und unfertig aussieht, verspricht der handgemachte Aspekt Individualität und Kantigkeit.

Die Lehrenden sehen sich in der Ausbildung neuen Herausforderungen gegenüber. Studierende müssen heute unzählige Programme beherrschen, was schnell zu Überforderung führen kann. Laut Schautz ist Neugierde die zentrale Eigenschaft für Illustratoren: „Eine der Grundeigenschaften, um überhaupt illustrieren zu können.“ Man müsse sich mit den unterschiedlichsten Dingen auseinandersetzen, auch mit KI. Hier bestand Einigkeit auf dem Podium: KI sollte nicht vermieden, sondern als Werkzeug verstanden werden. 

Hinrichs nutzt sie beispielsweise als „Sparringspartner“ auf Textebene für die erzählerische Struktur in Comics. Entscheidend bleibt aber die gestalterische Grundkompetenz. Studierende könn(t)en zwar schnell etwas professionell Scheinendes erschaffen, doch oft fehle ihnen das Auge dafür, was wirklich funktioniere. Die Ausbildung muss nach wie vor Raum geben, eine gestalterische Persönlichkeit entwickeln zu können, und darf sich nicht einzig auf die Vermittlung von Technikkompetenz fokussieren.

Ein weiterer kritischer Punkt: Social Media konditioniere auf Gefälligkeit. Hinrichs fordert, dass Studierende es erlernen, Bilder zu schaffen, die auf Widerstand stoßen: „Was passiert eigentlich, wenn man mal etwas intensiv Hässliches macht?“ Heutige Studierende hätten es einfacher, den ersten Schritt zum Auftraggeber zu machen, da der internationale Markt durch soziale Netzwerke unmittelbarer erreichbar sei. Doch zugleich verschwinde man leichter in der Masse. Die eigene Position zu finden und auch gegen Widerstände durchzuhalten, sei essenziell.

Angesichts des spürbaren wirtschaftlichen Drucks ist das auch wichtig. Es gäbe weniger Aufträge, und Kunden kämen bereits mit KI-generierten Vorlagen, so die Diskutanten. Doch darin liege auch eine Chance, so Gralingen: „Da alle ähnliche Ergebnisse der KI mitbringen, ergibt sich die Möglichkeit zur Differenzierung.“ In seiner Erfahrung suchen Wissenschaftsmagazine zum Beispiel weiterhin gezielt nach menschlichen Illustratoren, die komplexe Themen interpretieren können – ein Bereich, in dem KI noch an Grenzen stößt.

Ein Diskussionsbeitrag aus dem Publikum brachte das Beispiel geschlossener KI-Systeme ein: Eine Illustratorin, die seit drei Jahren Zwerge für einen finnischen Schulbuchverlag zeichnet, trainierte versuchsweise ein Modell ausschließlich mit ihren eigenen Arbeiten – ein System, das nur ihr gehört und das ethisch vertretbar ist. Die Frage der Vergütung für Trainingsdaten ist der eigentliche Knackpunkt bei KI. Ein Problem, das sich mit geschlossenen Systemen wie exactly.ai umgehen lässt.

Auf die Frage, wie Illustration in zwanzig Jahren aussehen werde, appellierte Hinrichs: „Wir müssen auf die Welt schauen, um Antworten zu finden, nicht nur auf bereits existierende Bilder.“ – „Bilder brauchen Seele“, ergänzt Schautz. Den Studierenden Selbstwirksamkeit bewusst zu machen und „zur Autorenschaft des Bildermachens zurückzufinden“ (Hinrichs) bleibe zentral in der Lehre. Dennoch wird die Vernetzung untereinander und mit anderen kreativen Berufen immer wichtiger. Letztlich ist es so: Illustratoren teilen ihr Schicksal mit Übersetzern, Journalisten und vielen anderen Kulturschaffenden. Gemeinsam könnten sie mehr Aufmerksamkeit für ihre Anliegen schaffen. Damit der einsame Wolf am Zeichentisch im Rudel stärker wird.

(Till Schröder, Autor und Dozent, er ist Chefredakteur der Marginalien – Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie. Das nächste Treffen des Theorienetzwerks Illustration findet online via Zoom am 13.01.2026, 19–20.30 Uhr statt. Anmeldung unter: theorienetzwerk.illustration@outlook.de)

Di, 16.12.2025

Tove Janssons „Welt der Mumins“

Vor 80 Jahren erfand die finnische Künstlerin Tove Jansson die Mumins, die kultigen rundlichen Trolle, die derzeit weltweit gefeiert werden. Ihre Geschichten sind ein Plädoyer für Toleranz, Empathie und Abenteuerlust. Das Literaturhaus München stellt sie erstmals in einer Ausstellung vor. Im Mumintal regieren Geborgenheit, Freundschaft und Humor, aber auch eine Prise Anarchie und Rebellion, dazu jener satirische Esprit, dem Tove Jansson in den 30er und 40er Jahren ihren Erfolg als politische Karikaturistin verdankte. Diese Mischung, fern jeder aufgesetzten Idylle, dabei voller Poesie und Eigensinn, bezaubert Erwachsene und Kinder gleichermaßen: Sie spricht das innere Kind im Erwachsenen an, freut Nostalgiker, die mit den Mumins aufgewachsen sind, und beflügelt bei Kindern ihre ureigene Vorstellungskraft. Das Finstere und das Helle, das Katastrophale und das Komische erscheinen hier in einem Gleichgewicht, das keinem Zeitgeist verhaftet ist, aber ganz besonders in unsere Epoche passt. In der Ausstellung können Mumin, Schnüferl, Schnupferich, die kleine Mü und viele andere Figuren mit ihren wundersamen Geschichten erlebt werden. Originalillustrationen, Animationen, Hörstationen und ein Pfad voller Überraschungen laden dazu ein, die Welt der Mumins zu entdecken. Für alle ab sechs Jahren! Eine Ausstellung des Literaturhauses München, mit freundlicher Unterstützung durch die Freunde und Förderer des Literaturhauses München und den Rotary Club München. Das Begleitprogramm wird unterstützt durch die Deutsch-Finnische Gesellschaft und Gesellschaft macht Schule (der Ort: Stiftung Buch-, Medien- und Literaturhaus München, Salvatorplatz 01, 80333 München). Die Ausstellung ist vom 18.12.2025 bis zum 12.04.2026 zu sehen. Alle Infos zu Tove Janssons Die Welt der Muminshier.

(Robert Grieger/Pressemitteilung)

So, 14.12.2025

Der komplette "Grimmschrat", die Bände 1 bis 5. Der himmelblaue ist der neue, der Gretel-Band des hoch ambitionierten Unterfangens, das nun – zum "guten Ende" – auch noch einen Schuber bekam. Top-Tipp!

Schrat in Höchstform: Band 5 der Grimmschen Märchen erschienen

„Und das haben wir jetzt davon: Ein Jahrhundertwerk in fünf Bänden.“ So beschreibt es Felicitas Hoppe in ihrem euphorischen Geleit für den letzten, den fünften, den Gretel-Band des in Sachen Märchen wohl ambitioniertesten Projekts der letzten Jahre: den jetzt schon ikonisch zu nennenden Grimmschrat, der vollständig neu illustrierten und edierten Henrik-Schrat-Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, erschienen bei Textem in Hamburg. Und natürlich ist der letzte Band des Werks, das Henrik Schrat Jahre beschäftigte, wunderschön – quietschhimmelblau mit einem edlen silbernen Buchschnitt (Hardcover, Leinen, 288 Seiten, etwa 350 Abbildungen, 34 Euro), weswegen er auch – der Glitzernde heißt in der feinen Reihe, die alle Märchentexte der Grimms versammelt, gestaltet von Interkool/Christoph Steinegger. Nun, und vor allem: komplett durchillustriert vom Schrat, seines Zeichen auch Mitglied unserer Gesellschaft, samt Cameos aus der Jetztzeit, Herzschmerz und Gruselbusel, Lititi und Märchenwucht auf höchstem Niveau. Jawohl, das muss die Welt in ihrer bibliophilen Ausformung bewegen. Wer also für Weihnachten noch nach Schönblättrigem Ausschau hält, die Suche ist hiermit beendet. Es kann noch beim Schrat geordert und auch abgeholt werden bis zum 24.12. – es gibt auch Schenkrikel und für die Komplettisten einen feinen Schuber (für 20 Euro). Und wer wollte das nicht sein unter den einschlägigen Büchernarrn: ein Komplettist. Man eile sich. Der Direktkontakt zum Schrat hier, Kontakt zum Verlag hierüber. 

(André Schinkel, in seiner Erscheinungsform als Märchen-Elf)

Fr, 05.12.2025

In Merseburg zu sehen: feinillustrierte Kinderbücher.

Sammlung Hartmann/Kubis: Für kleine Träumer und Entdecker

Für kleine Entdecker: Illustrierte Kinderbücher (1900–1930) aus der Sammlung Hartmann/Kubis, so heißt die Ausstellung, die auf Schloss Merseburg (Kulturhistorisches Museum, Domplatz 09, 06217 Merseburg) vom 29.11.2025 bis 01.03.2026 täglich (mit Ausnahme des 24. und des 31.12.2025) von 10 bis 16 Uhr in der ehrwürdigen alten Kaiserstadt der Ottonen zu sehen ist. Gezeigt werden historische Kinderbücher (die davor tatsächlich Kindern gehörten und in Gebrauch waren) aus der exclusiven Sammlung von Maria Hartmann und Alexander Kubis, die, beide dem Landstrich an der Saale verbunden, ihre Kindheit in Halle beziehungsweise in Merseburg verbrachten. Wunder-, wunderschöne Bücher sind das: Die Auswahl der Exponate ist bis auf wenige Einzelstücke auf das erste Drittel des 20. Jahrhunderts begrenzt, eine Blütezeit der illustrierten Kinderbücher. Besondere Berücksichtigung finden die Illustrationen, die die verschiedenen Kunstrichtungen dieser Epoche voller Umbrüche widerspiegeln. Und wer einmal da ist: die Merseburger Zaubersprüche, Dom, Park und Orangerie unbedingt ansehn! Im Ben zi bena einkehren! Und: die beiden Rabentiere besuchen! 

(André Schinkel)

Do, 20.11.2025

Das Theorienetzwerk Illustration lädt zur Diskussion auf der artbook.berlin am 22.11.2025 um 16 Uhr ein.

Illustrieren in unsicheren Zeiten

Gesprächs- und Theoriezeit auf der artbook.berlin 2025: Illustrieren in unsicheren Zeiten. Wie reagiert die Lehre auf Herausforderungen des 21. Jahrhunderts? So heißt die Diskussionsrunde des Theorienetzwerks Illustration am Samstag auf der Buchkunst- und Grafikmesse, die am 21. 11. beginnt und – bis zum 23.11.2025 im Kunstquartier Bethanien (Mariannenplatz 02, in 10997 Berlin-Kreuzberg) in der Hauptstadt stattfindet. Andreas Rauth und Pirckheimer-Vizevorstand wie Chefredakteur der Marginalien Till Schröder diskutieren mit Irmela Schautz, Jakob Hinrichs und Christian Gralingen am 22.11. um 16 Uhr daselbst. Auch die Pirckheimer-Gesellschaft selbst wird die ganze Zeit auf der Messe vor Ort sein, für wenn es eine(r) nicht gewusst hat. Und die ganze Zeit auch ist der Eintritt frei. Viel mögliches Licht also in den unsicheren Zeiten, die uns anschaun, und in diesem lichtarmen November, gottlob und überdies. Und eine Messe voll Buch sowieso.

(André Schinkel/Pressemitteilung)

Do, 13.11.2025

LBA: "Bücherlust" im HdB. | © by Ekkehard Schulreich

LBA: Von der „Lust auf die Bücher“

„Bücherlust“ verbindet Qualität von Text, Druck, Gestaltung: Über 120 Jahre ist das Maßstab des Leipziger Bibliophilen-Abends. Ausstellung im Foyer des Literaturhauses Leipzig gibt Einblicke

Von Sperontes’ Singender Muse an der Pleiße bis zur neuesten Edition der Reihe 24x34. Grafik öffnet sich ein Kosmos – die Jahresausstellung Bücherlust. Die Drucke des Leipziger Bibliophilen-Abends 1904 bis 2025 im Literaturhaus Leipzig gibt Einblick in die Drucke des LBA von seinen Ursprüngen bis in die Gegenwart. Zu sehen ist nicht nur ein angesichts der Begrenztheit des Foyers und der intensiven Publikationstätigkeit in all den Jahrzehnten kleiner Teil an Büchern, Mappen, originalgrafischen Blättern. Plakate, Flyer, Einladungen vermitteln darüber hinaus einen Eindruck von den LBA-Aktivitäten und zeigen, dass auch dabei auf gestalterische Qualität Wert gelegt wird.

Was mich so fasziniert: Der LBA ist nicht geradlinig, nicht einseitig. Wir sehen ein Geflecht an Drucktechniken, Einbänden, literarischen Inhalten“, sagte Eberhard Patzig zur Vernissage am 07. November. Er sprach von einem „Universum“. Gemünzt war das auf die Drucke aus der Anfangszeit des Vereins, zu sehen in zwei Vitrinen am Eingang. Darunter – ein Hauptwerk – die Festschrift zum 25-jährigen Bestehen 1929: Die Leipziger 99; ein Titel, der auf die damalige Begrenzung der Mitgliederzahl abzielte. Der Befund trifft aber für die Schau als Ganzes zu. Für Eberhard Patzig und für Thomas Glöß, die diese 12. Ausstellung eine Reminiszenz und ein Abschiedsgeschenk: Zwölf Jahre waren beide an der Spitze des Vereinsvorstandes des Leipziger Bibliophilen-Abends tätig.

„Längst werden wir über unsere Publikationstätigkeit identifiziert“, sagte Thomas Glöß. Er verwies darauf, dass die Wiederaufnahme dessen bereits in den letzten Jahren der DDR begann – angestoßen durch Herbert Kästner, der die Leipziger Regionalgruppe der Pirckheimer leitete, die Wiedergründung des Leipziger Bibliophilen-Abends vorantrieb und heute Ehrenmitglied ist. 

Wie breit das Spektrum ist, wie faszinierend, erschließt sich dem Besucher bei einem Blick in die Vitrinen, beim Wandeln zwischen den Stellwänden. Da ist die Schriftbild-Reihe, beispielhaft Nummer 05: Hanns Eisler Dr. Faustus mit Schablithografien von Michael Triegel. Da sind die Leipziger DruckeGilgamesch mit Radierungen von Reinhard Minkewitz (Nr. 17) und Blaubart mit Farbholzschnitten von Klaus Süß (Nr. 19). Da sind die Paradiesischen Dialoge, die mit Edition sieben ihren Abschluss jetzt gefunden haben – zum Beispiel Gedichte Hans-Eckhardt Wenzels und Lithografien von Johannes Heisig (Nr. 01) – und Das Lied von der Erde mit Lithografien von Sighard Gille (Nr. 05). Da ist die Reihe 24x34. Grafik. Der aktuelle neunte Druck vereint einen Text von Wilhelm Bartsch und eine Aquatinta-Radierung von Wolfgang Buchta.

Eine Klammer um beide Vereine – den Leipziger Bibliophilen-Abend, der von 1904 bis 1933 bestand, und den 1991 wiederbelebten – bildet die ausgestellte Jahresgabe 2023. Sie zeigt die vier Exlibris des LBA: jene von Bruno Héroux und Walter Tiemann aus der Anfangszeit und jene von Oswin Volkamer (1996) und endlich Robert Schmiedel (2023) ... Die Ausstellung im Foyer des Literaturhauses in Leipzig (Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig) ist bis zum 08. Januar 2026 zu sehen.

(Ekkehard Schulreich)