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Bertolt Brecht

Pirckheimer-Blog

Bertolt Brecht

Sa, 21.08.2021

Fabulae de domino Keunorum

»Consilia contra violentiam
Cum Dominus Keuner, cogitandi, in praetorium dixit ante multus contra violentiam, vidi, populo recipet et vadit. Circum videt et videt post tibi violentiam.
„Quod dixisti?" rogavit violentiam
. ...«

Dem Brecht-Freund werden diese Worte bekannt vorkommen, zumindest, wenn er oder sie das Latinum hat - anderen, die so wie ich des Lateinischen nur oberflächlich mächtig sind, sei hier das Original angefügt:
»Maßnahmen gegen die Gewalt
Als Herr Keuner, der Denkende, sich in einem Saale vor vielen gegen die Gewalt aussprach, merkte er, wie die Leute vor ihm zurückwichen und weggingen. Er blickte sich um und sah hinter sich stehen – die Gewalt.
"Was sagst du?" fragte ihn die Gewalt.
...«

Diese doppelte geistige Herausforderung, der Brechtche Text und die lateinische Wiedergabe, ist Matthias Kubitz, Herausgeber und Übersetzer ins Lateinische einiger von Bertolt Brechts "Geschichten vom Herrn Keuner" zu verdanken. Matthias Kubitz hat Germanistik und Geschichte studiert und sich in seiner Abschlussarbeit mit Robert Gernhardt und Ernest Hemingway beschäftigt. Seitdem steht das Nachdenken über Literatur im Zentrum seines Schaffens.

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Books on Demand, 2019
geb., 32 Seiten
ISBN: ‎978-3749432004
12,99 €

Fr, 20.08.2021

Johannes Häfner (ICHverlag 2016), "Bertolt Brecht - Radwechsel", Aufl.: 28 Exemplare, Foto: ad, siehe https://bit.ly/3swW2Se

Druck & Buch

Die Buchkunstmesse „Druck & Buch“ findet wieder im Rahmen des 41. Erlanger Poetenfests statt.

Seit 2008 ist die „Druck & Buch“ zu einem festen und unverzichtbaren Bestandteil des Erlanger Poetenfests geworden, die viele neue Interessierte der „schwarzen Kunst“ gewinnen konnte. Nach einer pandemiebedingten Pause im Jahr 2020 präsentiert sie nun zum bereits 13. Mal Buchkunst, die diesen Namen auch wirklich verdient.
Diese Buchkunst-Ausstellung will eine künstlerische Vielfalt zeigen, die handwerklichen Traditionen ebenso verpflichtet ist, wie experimentellen Techniken. Das Spektrum reicht dabei von in Bleisatz gesetzten Büchern mit Original-Grafiken über Buchkleinodien in japanischer Blockbindung bis hin zu Computergrafik- und Unikatbüchern. Der Gründer der „Druck & Buch“, Peter Zitzmann, verstarb 2017 überraschend nach kurzer Krankheit. Nach der Auflösung des Vereins „Druck & Buch e. V.“ führt Johannes Häfner die Veranstaltung im Rahmen des Erlanger Poetenfests weiter fort.

20 Künstler stellen ihre Werke vor, darunter die Pirckheimer Wolfram Benda (The Bear Press), Johannes Häfner (ICHverlag Häfner+Häfner) und Hanif Lehmann (widukind-presse). Weitere Aussteller sind Dreier Press, edition bim, edition wasser im turm.berlin, Gerard Paperworks, Sabine Golde (Carivari), Karl-Friedrich Groß, Handsatzwerkstatt Fliegenkopf, Mühleisen-Presse, Eberhard Müller-Fries, Gerhard Multerer, Neue Cranach Presse, officin albis, Original Hersbrucker Bücherwerkstätte, Rehlensche Handpresse Nördlingen, Hilla Rost, Sonnenberg-Presse Lichtenau und Annette Vogel.

28./29. August 2021

Redoutensaal Foyer
Theaterplatz 1, 91054 Erlangen

Mo, 16.08.2021

Kurt Schwaen, Foto: Rex Schober

”Wer möchte nicht im Leben bleiben…“

Gestern eröffnete im Beisein von Ina Iske-Schwaen, Pirckheimerin und Leiterin des Kurt-Schwaen-Archivs, eine Ausstellung über den Komponisten.

Wie kein anderer hat Kurt Schwaen (1909–2007) das Musikleben in der DDR geprägt. Gemeinsam mit Bertolt Brecht, Günter Kunert und vielen anderen Schriftstellern schrieb er zahllose Lieder und Kantaten, komponierte für Kinder und Erwachsene, schuf ungewöhnliche Kammermusik und Orchesterwerke, vertonte u.a. den Film „Der Fall Gleiwitz“. Nur mit viel Glück überlebte der überzeugte Kommunist die NS-Diktatur. Nach dem Krieg engagierte er sich mit großem Einsatz für den Wiederaufbau des Musiklebens.
In Zusammenarbeit mit dem Kurt-Schwaen-Archiv präsentiert das Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf bekannte und unbekannte Fotos und Dokumente, längst verschollen geglaubte Theaterkulissen und Werkzeuge für die Herstellung von Noten sowie zahlreiche Hörbeispiele aus dem Werk des Komponisten.

Ausstellung 16. August 2021 bis 22. April 2022

Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf Haus 1
Alt-Marzahn 51, 12685 Berlin

Fr, 23.07.2021

BB exklusiv für Pirckheimer

Kurt Idrizović von der Buchhandlung am Obstmarkt, Augsburg, bietet Mitgliedern den im Buchhandel vergriffenen Titel "Begegnungen mit Brecht" vom Lehmstedt Verlag, Lpz. 2009, 399 S., gestaltet von Mathias Bertram, zum Sonderpreis von 5 Euro (zzgl. Versand) an.

"Alle, die Bertolt Brecht kannten, waren von ihm beeindruckt: von seiner Freude an der Begegnung und am Gespräch, von seinem Wissensdurst und seiner Fürsorglichkeit, von der Lust an der Provokation und am Konflikt oder von dem manchmal rätselhaften Wechsel zwischen Auftritt und Rückzug, Präsenz und Tarnung, Souveränität und Scheu. Aus der Fülle der Zeugnisse hat der Herausgeber 58 Berichte von Kollegen, Freunden, Widersachern, Mitarbeitern und Schülern ausgewählt, die ein lebendiges Bild eines Jahrhundertautors zeichnen, der wie kaum ein anderer aus der Kommunikation heraus gelebt und gearbeitet hat. Neben einer Reihe wiederzuentdeckender Texte bekannter Autoren finden sich unbekannte, erstmals ins Deutsche übersetzte sowie eigens für diesen Band geschriebene Erinnerungen an Bertolt Brecht." (aus dem Klappentext)

Der Autor, Erdmut Wizisla (geb. 1958, Promotion 1994) leitet das Bertolt-Brecht-Archiv und das Walter Benjamin Archiv, beide Akademie der Künste, Berlin, und publizierte zahlreiche Bücher und Aufsätze zu Benjamin, Brecht, Uwe Johnson und anderen.

Bestellung an Buchhandlung am Obstmarkt

Fr, 02.07.2021

Jörg Seifert, Foto: © ad

Bierdeckelsprüche und Lieder zur Gitarre

karma, mantra, strandbar
ich bin mir nicht sicher, ob
wenn wir unseren inneren frieden gefunden haben
nicht längst schon tot sind.

(Jörg Seifert)

Jörg Seifert aus Annaberg war nicht der einzige Pirckheimer im Berliner ACUD Theater, als er gestern Bierdeckelsprüche aus seinem gerade erschienenen Katalog las und zur Gitarre frühe Texte, vor allem Liebeslieder, von Bertolt Brecht, aber auch Eigenes und Gedichte von Eva Strittmatter und Ingeborg Bachmann vortrug. Damit präsentierte sich der gelernte Bühnenbildner und vielseitige Künstler, bislang bekannt vor allem als Graphiker, Maler und Autor, als Leiter des Kunstkeller Annaberg, nunmehr auch als Sänger.

Die Frage, was denn Bierdeckelsprüche seien, wird im Katalog einleuchtend er- und geklärt:

Bierdeckeltexte
das schöne an ihrer produktion, man muss sich
kurzfassen. nein, es hat heut nicht geschneit und nicht einer
der toten, den täglichen, bei über 7 milliarden menschen,
ist auferstanden. ich kann nichts dafür, dass es nicht schneit.
und auch sonst für fast nichts, ehrlich!

Do, 01.04.2021

Gegen Verführung

Im April 2021 starten die 2. Tage des offenen Brandenburgischen Buches. Dieser Neustart für die Tage der Literatur und Buchkunst in Brandenburg, die im letzten Jahr nach einer erfolgreichen Premiere 2019 ausfallen mussten, finden vom 17. April - 2. Mai und vom 28. Mai - 20. Juni statt. Wie auch die Buchkünstlerin und Pirckheimerin Constanze Kreiser wird sich auch der Pirckheimer Rainer Ehrt an den Tagen des offenen brandenburgischen Buches beteiligen.

Aus diesem Grund wird als "Bibliophiles des Monats April" das 2017 entstandene originalgrafische Künstlerbuch des Pirckheimers Rainer Ehrt »Gegen Verführung« nach den Schlussversen aus der »Hauspostille« von 1925 von Bertolt Brecht präsentiert. In diesem Künstlerbuch werden in opulente, sinnliche Bilder die Verse voll von poetischer Energie von Provokation, Lebenslust, Todesahnung und prophetische Krisenstimmung umgesetzt.

28 x 37 cm, 24 S.
Druck: dreifarbiger Hand-Siebdruck auf schwerem Karton von corn.elius (Cornelius Brändle, Wasser im Turm, Berlin)
Einband: Siebdruck auf grobem Naturleinen
Buchbinder: Marcus Saturna, Berlin
Aufl.: 30 Expl.

Homepage Rainer Ehrt
Homepage Constanze Kreiser

So, 19.05.2019

Am John-Heartfield-Haus, Foto © Abel Doering
Krejsa, Michael: John Heartfield in Waldsieversdorf (1953 bis 1968), Frankfurter Buntbücher 52, © verlag berlin-brandenburg
Gustav Seitz Museum, Foto © Abel Doering
Gustav Seitz: Bertolt Brecht, Bronze, 1967, Foto © Abel Doering

Exkursion zu John Heartfield und Gustav Seitz

Bei strahlendem Sonnenschein, also bestem "Pirckheimer-Wetter", begab sich die Berlin-Brandenburger Regionalgruppe gestern in das östlich von Berlin in der Märkischen Schweiz gelegene Waldsieversdorf und Trebnitz zu einem Besuch des John-Heartfield-Hauses und des Gustav Seitz Museums.

John Heartfield, bekannt als Gründer, gemeinsam mit seinem Bruder Wieland Herzfelde, des Malik-Verlages und einer der Initiatoren der Berliner Dada-Bewegung, der u.a. an der Reinhardt-Bühne für Erwin Piscator arbeitete, gab 1929 gemeinsam mit Kurt Tucholsky das viel beachtete Buch "Deutschland, Deutschland über alles" heraus und war seit 1956 Mitglied der Deutschen Akademie der Künste (in der DDR).
Heartfield, der auf Anraten von Bertolt Brecht seit 1953 seine freien Wochenenden in der Märkischen Schweiz verbrachte, pachtete 1957 in Waldsieversdorf ein Waldgrundstück, auf dem er ein Sommerhaus errichtete und bis zu seinem Tod im Frühjahr 1968 gemeinsam mit seiner Frau Gertrud die Sommermonate verbrachte.

Bevor der Busausflug weiterführte nach Trebnitz, konnten sich die Pirckheimer an einem umfangreichen warmen und kalten Buffet stärken, ausgerichtet vom Freundeskreis John Heartfield Waldsieversdorf e.V.

Gustav Seitz, gemeinsam mit Bertolt Brecht und Heinrich Mann Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste (in der DDR) übersiedelte 1958 nach Hamburg, ohne jedoch seinem Leben in der DDR, wie von der Adenauer-Regierung gewünscht, abzuschwören. Als Grenzgänger zwischen den Welten erhielt er den Nationalpreis in Weimar, den Großen Niedersächsischen Kunstpreis und war 1968 einer der drei Vertreter der BRD auf der Biennale in Venedig. 1961 wurde in Prenzlauer Berg auf dem gleichnamigen Platz sein Denkmal "Käthe Kollwitz" aufgestellt.

Zu sehen bekamen die Pirckheimer nicht nur die aktuelle Ausstellung im Museum mit Reisezeichnungen, die insbesondere 1952 in Paris und in Südfrankreich entstanden sind, sondern erlebten auch eine sachkundige Führung durch den 25 ha großen Schlosspark, abgerundet mit einer Kaffeetafel im internationalen Juniorcafé.

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Mo, 08.01.2018

© Olaf Amberg - Titel „Armer Mann und reicher Mann“, Öl auf Leinwand, 2017

brecht in Dresden

Die Ausstellung „brecht · Ausstellung im Kontext zum Werk von Bertolt Brecht" wurde zum Gedenken an den 60. Todestag Bertolt Brechts 2016 in der Salzbürger Stadtgalerie erstmals gezeigt. Anlass der Ausstellung war einerseits Brechts „kurze und heftige Beziehungskrise zu Salzburg" - die damit begann, dass Brecht 1950, damals staatenlos, in Salzburg die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt. Andererseits wurden die Kuratorinnen von der erschreckenden Aktualität seiner Texte motiviert. Brecht schrieb 1937 in einem Gedicht über Emigranten:

Immer fand ich den Nomen falsch, den man uns gab: Emigranten. Das heißt doch Auswanderer. Aber wir wanderten doch nicht aus, noch freiem Entschluss wählend ein anderes Land ... .Sondem wir flohen. Vertriebene sind wir, verbannt ... "

Die Arbeiten offenbaren einen vielfältigen Zugang zu Brecht und seinen Arbeiten. Ob Liebeslyrik, Mutter Courage oder andere politische Texte - die inhaltliche Vielfalt der Arbeiten zeigt sich ebenso abwechslungsreich wie die Wahl der unterschiedlichen künstlerischen Techniken· Malerei, Skulptur, Video, Fotografie, Collagen, Radierung u.a.

Die Ausstellung beteiligt Salzburger und Dresdner Künstlern und steht unter der Schirmherrschaft des Amtes für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden. Das Projekt wird im Rahmen der Städtepartnerschaft Dresden-Salzburg präsentiert. Es wirken mit: Olaf Amberg, Dresden I Grit Biermann, Dresden I Jutta Brunsteiner, Salzburg I Susan Donath, Dresden I Stefan Heizinger, Salzburg I Thomas Kohl, Dresden I Bernhard Lochmann, Salzburg I Elisabeth Schmirl, Salzburg I Anne-Theresa Wittmann, Dresden I Johannes Ziegler, Salzburg I Gloria Zoitl, Salzburg.

Eröffnung: 12. Januar 2018, 19:00 Uhr
Ausstellung: 13. Januar - 31. März 2018

KUNSTRAUM DRESDEN
Schützenplatz 1, 01067 Dresden

Di, 19.09.2017

Klemke illustriert Brecht

Die Bitten der Kinder

Die Häuser sollen nicht brennen.
Bomber sollt man nicht kennen.
Die Nacht soll für den Schlaf sein.
Leben soll keine Straf sein.
Die Mütter sollen nicht weinen.
Keiner sollt töten einen.
Alle sollen was bauen.
Da kann man allen trauen.
Die Jungen sollen`s erreichen.
Die Alten desgleichen.

Bertolt Brecht (1951)

Abb. 1 zeigt die 1. Aufl. Unsere Fibel. Autorenkollektiv. - Berlin: Verlag Volk und Wissen. 1974. - 111(1) S. - 27,5 x 18,8 cm. - iOPp.
Abb. 2 dass. 2 Auflage: 1975.

Gefunden im Katalog Schönste Bücher 1974 (DDR), S. 37: Illustrationen und Ein­band: Werner Klemke. Schreibschrift: Renate Trost. Auflage: 300.000. Schrift: Gill-Grotesk (Monophoto). Pappband. 112 Seiten mit 140 Bildern.

So, 23.07.2017

Der Pressezeichner Emil Stumpp

Emil Stumpp (1886-1941) – der bekannteste Pressezeichner der Weimarer Republik, ein vergessener Künstler der Weimarer Republik – in der DDR „wiederentdeckt“ durch seinen Schwiegersohn, den Komponisten Kurt Schwaen aus Berlin-Mahlsdorf mit seiner Veröffentlichung „Über meine Köpfe: Texte, Porträts, Landschaften“ (Berlin, Der Morgen 1983).
Um die 20.000 Bilder brachte er, zumeist mit Holzkreide als Entwurf zu Papier, das dann mit einem speziellen Umdruckverfahren auf den Lithostein gebracht wurde, ist in einer Auswahl von Porträtzeichnungen nun in einer Ausstellung im Grafischen Kabinett in Augsburg zu sehen, die gestern eröffnet wurde, und zum überwiegenden Teil aus der Sammlung des Augsburger Pressehistorikers Dr. Martin Welke (Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum) bestückt wurde, der auch die detailreiche Einführung hielt.
Bert Brecht und Gerhart Hauptmann, Käthe Kollwitz und Heinrich Zille, Konrad Adenauer und Franklin D. Roosevelt, Albert Einstein, Max Schmeling und Fridtjof Nansen – Stumpp zeichnete sie alle in den „Goldenen Zwanzigern“ (und Dreißigern).
»Kunstkritiker attestierten ihm [...] eine fast übernatürliche Begabung zum „psychologischen Porträt“: Bei aller Sachlichkeit schwinge stets „ein starker und vernehmbarer Unterton mit, der das seelische und geistige Profil des inneren Menschen bloßlegt.« (zitiert aus dem Flyer der Kunstsammlungen & Museen Augsburg)
„... das Profil des inneren Menschen bloßlegt“ – so nimmt es nicht wunder, dass ein wenig schmeichelhaftes Hitlerporträt, „nach dem Leben gezeichnet“ (so der Unter-Bildtitel), veröffentlicht zu Führers Geburtstag am 20.4.1933 im „Dortmunder Generalanzeiger“, seiner Karriere ein abruptes Ende bescherte.

(Matthias Haberzettl)

Über die Ausstellung wird hier in der Augsburger Allgemeinen berichtet.
Hier findet sich der Flyer zur Ausstellung.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 12. November 2017.

Kunstsammlungen & Museen Augsburg
Grafisches Kabinett
Maximilianstr. 46, 86150 Augsburg
In Kooperation mit der Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum

Do, 15.12.2016

Peter Sodann liest Bertolt Brecht

Das Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft, der Künstler, Schauspieler und Bibliophile Peter Sodann geht als 80-Jähriger noch einmal auf Tournee und greift dabei mit den „Flüchtlingsgesprächen“ zu einem hochaktuellen Text von Bertolt Brecht.
Bertolt Brecht: Flüchtlingsgespräche, mit 12 Holzschnitten von Hans Ticha,
Leipzig 1997 (Reihe Leipziger Drucke des LBA)
Die in den frühen vierziger Jahren geschriebenen Dialoge handeln vom Alltag der aus Deutschland Vertriebenen, vertreten durch den Intellektuellen Ziffel und den Arbeiter Kalle, die sich im Restaurant des Hauptbahnhofs von Helsinki über die internationale Lage und die eigene Situation unterhalten. Sie führen ausgesprochen subversive Dialoge, etwa über die deutsche Herrschaft und Geschichte oder die Machtverhältnisse in ihrem Exil, die bis heute nichts von ihrer sprachlichen Kraft eingebüßt haben. Und es gibt wohl wenige, die Wirkungsmacht und Ton dieser Gedanken derart zum Klingen bringen können, wie Peter Sodann. Ihm ist es eine Herzensangelegenheit, seinem Publikum gerade diesen Text von Bertolt Brecht noch einmal nahe zu bringen. Begleitet wird Sodann dabei vom Pianisten und Sänger Michael Letz, der nicht nur Brechts Ziffel-Song, sondern auch andere Lieder zum Thema beisteuern wird.

Lesung mit Musik: 16. Dezember 2016, 20:00 Uhr

Landrat-Predeick-Allee 1, 59302 Oelde

Mi, 14.12.2016

Die Ausnahme und die Regel

Und schon wieder kann an dieser Stelle auf einen von einem Pirckheimer herausgegebenen Buch verwiesen werden: Mit seinem 41. Druck legte der Pirckheimer Hanfried Wendland "Die Ausnahme und die Regel" den dritten Titel von Bertolt Brecht in der Reihe NeueKleiderDrucke vor. Der Druck auf 80 Seiten im Format 39 x 29,5 cm enthält zwölf Farbholzschnitten von Hanfried Wendland.

Ausgabe A:
24 arabisch nummerierte Exemplare
18 Exemplare als Normalausgabe 580 €
6 Vorzugsexemplare mit einer Suite aller Graphiken 730 €
Ausgabe B:
4 römisch nummerierte Exemplare mit einer Suite aller Graphiken sowie einem Original-Druckstock 880,- €

So, 27.03.2016

Hans Tichas malerische Signets

Wie ist Ironie in Bildern erkennbar? Offenbar schwer, stellte der Maler Hans Ticha fest, als in seinen Bildern mit Rote-Fähnchen-Schwingenden kommunistische Propaganda gemutmaßt wurde.
Gemäß dem Slogan von Friedrich Schlegel „Ironie ist Pflicht“ fand Ticha in den gesammelten Zeitungsfotos ironische Sinnzeichen für seine „Hochrufer“ und „Klatscher“, die sich als vermeintliche „Sieger der Geschichte“ auf Parteitagen zur Schau stellten. In Serien führt er die erbsköpfigen „Klatscher“ von 1983 achtteilig vor, rückt die klatschenden Hände monströs in den Vordergrund. Die großformatigen grauen oder knallbunten Bilder mit stereometrischen Figuren wirken, als seien sie „in sattes Öl gehauen“ (Jürgen Rennert). Wie kann man in diesen Unter- und Überdimensionierungen, in den Kugel- und Nullenköpfen und ihrer Gesichtslosigkeit, in den Glättungen, welche die Individualität auslöschen, keine Ironie erkennen?
Hans Ticha, 2000,
Farbholzschnitt (4 Platten)
Tichas Spott traf die parteiideologische Versimplifizierung und die Sinnentleerung der kommunistischen Idee, die als Marxismus-Leninismus in die „Parteikader“, ein Bild von 1984 zeigt sie, eingetrichtert wurde. In der Parteisprache kampfbereit verarbeitet zu Losungen „Plane mit / Regiere mit …“, von Ticha in „LTI II“, Öl, 1983, festgehalten. Darin folgt er Victor Klemperer, der in „Lingua Tertii Imperii“ untersucht hat, wie sich in der Sprache das Wesen hüllenlos offen zeigt.
Vor 1989 standen Tichas Bilder in einem Stapel mit dem Gesicht zur Atelierwand. Polit-Bilder, die nur noch die Frau und der Freund sehen durften. Ticha, der in seiner Kunst auch die Schüsse an der Mauer nicht ignorierte, der aufmarschierende Soldaten in der Bleistiftzeichnung „Deutsches Ballett“ und gröhlende Beifallsbekundungen und Selbstbeweihräucherung verspottet, die unfassbar gesteigert werden in einer Zeit massenhafter Ausreise von jungen Leuten, denen Erich Honecker keine Träne nachweinen will. Trotzdem wirft sich ein „sich selbst applaudierender Staat“, wie Erik Stephan im Katalog festhält, mit Genugtuung in die Brust. Ticha kann also vorweisen, was viele DDR-Oppositionelle nicht in der Schublade haben oder womit sie sich erst ab 1990 zu veredeln suchten. Neben lesenswerten Einsichten kehren in Paul Kaisers Katalogtext Klischees über die DDR wieder, welche die richtige Kritik so vereinfachen, dass sie falsch wird. Wer sich die stilistisch völlig eigenartige Kunst der Schüler von Kurt Robbel – Ronald Paris, Konrad Knebel, Hans Vent, Heinrich Tessmer, Helmut Symmangk und Hans Ticha – vor Augen führt, kann doch nicht behaupten, dass an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee nur ein begrenztes „Arsenal der lizenzierten Stilmittel [exerziert]“ werden konnte. Jeder Kunstfreund in der DDR wusste außerdem, wie man sich einen „Blick in die Kunstgeschichte der Moderne“ verschaffen konnte; an den Hochschulen in Erfurt, Leipzig, Dresden, Berlin, Greifswald wurde sie auch nach Ausbildungsplänen vermittelt; seit 1965 verschaffte die „Intergrafik“ vertieften Einblick; ab 1966 erschienen Bücher und Ausstellungskataloge zum Bauhaus, vor allem die Serie in der Galerie am Sachsenplatz Leipzig; seit 1977 zeigte das Alte Museum in Berlin „Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Ludwig“ und so weiter.
Der Weg des Künstlers Hans Ticha begann Ende der 1960er Jahre unter dem Einfluss seines formenstrengen Lehrers Kurt Robbel, der ihm auf Augenhöhe begegnete und in seiner Folge sah. Zu spüren ist der Einfluss von Oskar Schlemmer, El Lissitzky, Hans Arp, Konrad Klapheck, vor allem von Fernand Léger und den Kubisten. Ticha ist keineswegs losgelöst von der europäischen Moderne. Er wirkt zudem als Pop-Künstler, der aber nach Erik Stephan nicht wie die westlichen Pop-Artisten die reiche Konsumwelt aufs Korn nimmt, sondern die in der kargen DDR sich massenhaft ausbreitende Propaganda. Bei ihr geraten die Menschen, wie das Objekt „Meinungsbildung“ aus Holz und Metall von 1988 demonstriert, in ein Folterinstrument.
Tichas Bekanntheit begründeten Sportbilder, zwar ein Angriff auf des DDRlers liebstes Terrain, aber mit Komik und selbst mit Bewunderung aufgefasst. Welch elegantes paralleles Gleiten im „Eislauf“, 1980, oder das akrobatische Ineinandergestecktsein von Frau und Mann beim „Eislaufpaar“, 1985.
Wenn sich Stuhlbeine in zwei Füßen gründen, der „Rote Bläser“ ohne Mund bläst oder die gemalten Leitz-Ordner in Norm-Format, mit Kantenschutz, Griffloch und 180-Grad-Präzisionsmechanik ein Menschenbild spiegeln, erleben wir bei Ticha Verwandlungen, die allegorischen Sinn tragen.
Tichas Name heißt Stille. Von seinen frühesten bis aktuellen Gemälden sucht er in einer oft stillen, monumentalen Ästhetik nach malerischen Signets und Piktogrammen. Die aktuellen Parteitagsrituale führender Parteien wiederholen ähnliche aufdringliche Erscheinungsbilder, die Ticha schon vorgeführt hat. Seine Bilder lassen sich glatt auf heutigen ausgedehnten Applaus, auf Jubelrufe und unaufrichtiges Demokratiespiel beziehen und fordern neuen Spott heraus. Nun unterwirft Ticha die Waren- und Geldwelt und die Prostitution in grellen Farben seiner ungedämpften Kritik in Ironie.
Jena zeigt mit 70 Gemälden, Objekten und ein paar Zeichnungen eine Retrospektive des 75jährigen Künstlers, eine beeindruckende Schau.
(Peter Arlt in “Ossietzky”, 6, 2016)

Es erscheint ein Katalog (22 €)

Ausstellung: noch bis 10. April 2016

Di, 30.09.2014

„Märchen“ von Bertolt Brecht

Im neuesten Dreigroschenheft, Informationen zu Bertolt Brecht erschien eine Rezensionen von Volkmar Häußler zu einer Ausgabe der „Märchen“ von Bertolt Brecht mit Linolschnitten von Margit Franzen-Remmert, erschienen 2013 bei Shaker Media GmbH Aachen. Brecht schrieb diesen Text bereits im Alter von 16 Jahren, veröffentlicht im Jahre 1914 im siebenten Heft der Schülerzeitschrift "Die Ernte". 
Zitat: "Diesem nur selten illustrierten Märchen hat nun eine Künstlerin ein ganzes Büchlein gewidmet und es mit acht Linolschnitten ausgestattet. Die quadratische Glannzbroschur (20,5 x 20,5 cm) fällt gleich als schönes Kinderbuch ins Auge ..."
 
ISBN 978-3-86858-971-9
10,90 €

Do, 19.06.2014

Komm und setz dich, lieber Gast

Unter diesem Motto feiert am 27. Juni 2014 der Bert Brecht Kreis Augsburg e.V. sein 30jähriges Jubiläum. Es sprechen Dieter Henning über drei Buckower Elegien, Karl Griesinger über Brecht 1934 in Dänemark - Kartenspiel mit Augsburger Freunden und der Vorsitzende des Brecht-Kreises, Dr. Michael Friedrichs über Brecht und Kästner 1945 - 1947. Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung im Augsburger Brecht-Haus übernimmt Christel Peschke und Karla Andrä.
Die nebenstehende Abb. zeigt eine im Jahre 2001 zum 103. Geburtstag von Bertolt Brecht herausgegebene, nummerierte und von Hans Ticha signierte
Vorzugsausgabe einer MARGINALIEN-Beilage, die vom Pirckheimer-Mitglied Volkmar Häußler herausgegeben wurde.