Es dürfte eines der richtungweisenden Bücher des 19. Jahrhunderts gewesen sein: Die Blumen des Bösen von Charles Baudelaire (1821–1867). Der Gedichtzyklus läutet in Europa den Symbolismus und damit die literarische Moderne ein. In der Sammlung Scharf-Gerstenberg der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin (Besuchereingang: Schlossstraße 70, 14059 Berlin) seit dem 12.12.2024 und bis zum 04.05.2025 gezeigt. 1857 in Paris erschienen, sorgten sie für einen Skandal, der Baudelaire einen Gerichtsprozess einbrachte. Zugleich begannen die Gedichte dieses Bandes eine ungeheure Wirkung zu entfalten. In der Literatur ebenso wie in der Kunst legten sie den Grundstein für eine neue Ästhetik, die die klassische Vorstellung einer Einheit des Schönen mit dem Guten sprengte. Ausgehend von Odilon Redons (1840–1916) 1890 entstandener Zeichnung Fleur du Mal aus der Sammlung unternimmt die Ausstellung einen Streifzug durch die Kunst der beginnenden Moderne bis hin zu zeitgenössischen Werken, um die Ästhetik Baudelaires in ihren verschiedenen Aspekten, ihren Nach- und Nebenwirkungen zu beleuchten. Neben einer Auswahl von Werken, die in direktem Zusammenhang mit den Gedichten entstanden, geht es dabei auch um einzelne in den Blumen des Bösen angelegte Themen. Hierzu gehören der ‚Spleen‘ beziehungsweise die Depression, die Tröstungen durch Erotik und Rausch, aber auch die Verheißungen süßlicher Surrogate oder des Kitsches und die Ästhetisierung von Krankheit und Verfall. Das Übermäßige, Wuchernde und wild Ausblühende spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn oftmals beginnt das Gute erst durch seine Übertreibung ins Böse zu kippen. Die Ausstellung ist stets von Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet, Montag und Dienstag ist die Nationalgalerie geschlossen. Für die Feiertage gelten Sonderöffnungszeiten. Tickets gibt es für 12 (ermäßigt 6) Euro. Es erschien ein Katalog im Sandstein-Verlag. Auch wurde ein umfangreiches Beiprogramm zur Schau aufgelegt.
(André Schinkel/Pressemitteilung)