Pirckheimer-Blog

Di, 15.09.2026

Armenischer Übersetzerpreis für den Pirckheimer André Schinkel

Eine Ehrung besonders wertvoller Art erreichte das Mitglied der Redaktion der Marginalien und Redakteur unseres Pirckheimer-Blogs: André Schinkel wird der Kantegh-Preis, die wichtigste Ehrung für Übersetzer und Übersetzerinnen in Armenien, am 10. Oktober 2026 im Rahmen eines Festes im fernen Kaukasus überreicht. Übersetzer sind ideale Brückenbauer zwischen den Kulturen. Die Auszeichnung würdigt daher Schinkels Arbeit als Kenner, Vermittler, Freund der armenischen Literatur und seine nachdichterische Arbeit zur armenischen Lyrik der Moderne wie der Gegenwart – der Preis wird jährlich (in der Regel an armenische Autorinnen und Autoren) vom Armenischen Schriftstellerverband und dem Katholikat der armenischen Kirche in Etschmiadsin vergeben.

Um so schöner, dass der Preis nun einen Schriftsteller jenseits der Landesgrenzen in den Fokus rückt, der sich um den deutsch-armenischen Kulturaustausch verdient gemacht hat. Kürzlich erst war er für die armenisch-deutsche Anthologie des Friedrich-Bödecker-Kreises Brücken der Sehnsucht (2026) als Redakteur tätig. Er war 2024 Teilnehmer der Übersetzerwerkstatt „Poesie der Nachbarn“ im Künstlerhaus Edenkoben, das jedes Jahr sechs deutsche Lyrikerinnen und Lyriker und sechs aus einem Gastland zur gemeinsamen Übersetzungsarbeit einlädt. 2025 erstand daraus die zweisprachige Anthologie Der doppelte Sisyphus. Gedichte aus Armenien, erschienen im Verlag Das Wunderhorn mit Texten von Gohar Galstyan, Arpi Voskanyan, Dominik Dombrowski, Odile Kennel, Birgit Kreipe, Jan Röhnert und André Schinkel. Auch als Redakteur der Literaturzeitschrift oda – Ort der Augen bietet er zeitgenössischer armenischer Literatur eine Plattform. Insgesamt war er an der Realisierung von sechs Anthologien zum Thema beteiligt, hielt Vorträge zur armenischen Kultur und reiste ab 2011 mehrfach in den Südkaukasus.

Das Übersetzerfest findet jedes Jahr zu Ehren des Nationalheiligen Mesrop Mashtots, der die armenische Schrift erfand und so im fünften Jahrhundert das Wort Gottes nach Armenien brachte, in Oschakan, wo seine Grabkirche steht, statt. Der Name des Preises bedeutet „Fackel“ oder „Leuchter“ und steht symbolisch für das Licht, das durch die Übersetzung von einer Sprache in die andere in die Worte kommt. Schinkel, der auch am 12. Oktober in Jerewaner Goethe-Institut eine Lesung halten soll, wird von einem Vertreter des Friedrich-Bödecker-Kreises des Landes Sachsen-Anhalt, der mit der Writers Union of Armenia freundschaftlich verbunden ist, begleitet. Der Freundschaftsvertrag dafür geht auf Levon Ananyan und Jürgen Jankofsky zurück – namhafte Dichter wie Wilhelm Bartsch haben im Rahmen des Austauschs wichtige Impulse gesetzt.

Zuletzt erschien von Schinkel im Mitteldeutschen Verlag der Gedichtband Mondlabyrinth (2024, zweite Auflage 2026). Für das Frühjahr 2027 ist im mdv-Imprint Morio sein Band Thebanischer Tag und andere Geschichten angekündigt. Den Buchkunstfreunden sind unter anderem seine Bücher mit Originalgrafiken von Karl-Georg Hirsch, Susanne Theumer oder Andrea Ackermann ein Begriff. Der Autor ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste sowie der Akademie der Künste Sachsen-Anhalt. Teile seines Werks wurden in 20 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Walter-Bauer-Preis (2012) und einer Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung von 1859 (2021). Im Mitteldeutschen Verlag betreut er als Lektor unter anderem die Walter-Bauer-Reihe und gibt die Edition Muschelkalk heraus. Wir Pirckheimer freuen uns sehr, dass einem aus unserer Mitte diese seltene Ehre zuteil wird und gratulieren herzlichst.

(Till Schröder/Pressemitteilung)

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