Im Heft 229 der Marginalien untersuchen Ulrike Ladnar und Heinz Decker unter dem Titel „Im Geäst der Initialen“ diesmal die Beziehung zwischen „Schrift und Bild im Exlibris“ und spannen dabei einen weiten Bogen vom typografischen Bucheignerzeichen über die „bewohnte Initiale“ bis zur „Figureninitiale“.
Als Beispiele für rein typografische Blätter stellen sie u.a. Exlibris für bekannte Persönlichkeiten wie den früheren Ministerpräsidenten Israels, Menachem Begin, vor. Bedeutende Schriftkünstler widmeten sich ausgiebig dem schriftdominierten Exlibris, etwa Rudolf von Larisch, auf dessen Eigenblatt sowie auf sein Exlibris für den Schweizer Schriftsteller Conrad Ferdinand Meyer die Autoren eingehen. Interessant sind die Beispiele, die Ladnar/Decker für eine Art Übergangslösung zeigen, bei der eine kleine bildliche Darstellung, ein nuanciert eingebautes Bildzeichen in die Schrift „als ergänzender Schmuck“ integriert wird, so durch Hermann Landshoff in seinen hier abgebildeten Exlibris für Moritz Nussbaum und Thomas Mann. Stehen bei diesem Künstler immer noch die Eigner-Initialen im Mittelpunkt, geht Marcus Behmer mit seinen von reichem Ornament-Schmuck umrahmten Buchstaben einen Schritt weiter, z.B. in seinen Exlibris für die Sängerin Claire Waldoff und den Künstlerkollegen Hermann Struck.
Der Begriff „bewohnte Initiale“ wird mittels Beispielen von Eugen Schmidt und Reinhold Nägele erläutert. Anders als bei den Vorgenannten werden die Buchstaben bei diesen nicht funktional installiert, sondern formal, „vor allem als Konstruktionselement […], um das herum weitere grafische Elemente möglichst geschickt, geistreich und originell gesetzt werden“.
Noch weiter in ihrem Spiel mit Initialen gehen Ottohans Beier und Jean Pierre Humbert – abgebildet sind herausragende Exlibris-Beispiele für Hilde Keil und Benoît Junod. Beier etwa bestückt redundant, ähnlich wie es in der älteren Bibel- und Buchkunst vorkommt, den gesamten Buchstaben.
Schließlich zeigen die Autoren ein Blatt des berühmten englischen Jugendstil-Buchkünstlers William Morris als überaus gelungenes Beispiel eines sowohl „bewohnten“ als auch figuralen Initialen-Exlibris. Es steht zudem exemplarisch für ein sogenanntes redendes Exlibris, d.h ein Eignerzeichen, auf dem der Eignername grafisch illustriert wird.
U.a. auf diese spezielle Exlibris-Variante einzugehen, stellen die Autoren für den zweiten Teil ihres Beitrags in Aussicht, der im nächsten Marginalien-Heft erscheinen wird. Man darf gespannt sein.
- Ulrike Ladnar/Heinz Decker: Im Geäst der Initialen. Schrift und Bild im Exlibris, Teil I, in: >Marginalien … Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, hrsg. von der Pirckheimer-Gesellschaft im quartus-Verlag, Bucha bei Jena, 229. Heft. 2018/2, S. 77-86.
(Henry Tauber)