Zur Geschichte des japanischen Buchdrucks an Beispielen aus der Sammlung Amtmann

Vortrag

Am 18. September 2025 fanden sich in der Staatsbibliothek Berlin, Haus Unter den Linden, die Berlin-Brandenburger Pirckheimer zusammen, um die Sammlung alter japanischer Drucke von Eberhard Amtmann kennenzulernen. Dabei handelt es sich nicht um eine Kollektion aus den Schatzkammern der Staatsbibliothek, sondern um das lebendige Werk eines Zeitgenossen. Eberhard Amtmann war anwesend und sprach mit Hilfe von Beamer und ausgewählten Beispielen aus seinem Besitz über Das Japanische Buch. Eingangs schickte er voraus, dass es in Japan lange Zeit keine großen Bibliotheken gab, die systematisch neue und alte Bücher gesammelt hätten. Erst im 19. Jahrhundert wurde damit begonnen. Ebenso steht es um die Bücherverzeichnisse, die retrospektiv erarbeitet werden und längst noch nicht umfassend sind. In wohlhabenden Familien wurden dagegen Bücher über Generationen angeschafft, bewahrt und weitergereicht. Die Bestände kommen bis in heutige Zeit regelmäßig in den Handel und enthalten die erstaunlichsten Objekte, die zu erschwinglichen Preisen erworben werden können. Denn auf Grund dieser Lage fällt es den japanischen Antiquaren schwer, Raritäten und Unikate zu erkennen. Das ist die Chance des Sammlers, der allerdings ebenfalls im Dunkeln tappt und sich beim Kauf auf seinen Spürsinn verlassen muss. Zuhause braucht es aufwendiger Recherchen, ehe er weiß, wie selten und wertvoll seine Erwerbung ist.

Eberhard Amtmann stellte die wesentlichen Formen des japanischen Drucks vor: Querrolle, Leporello und das fadengeheftete Buch, erläuterte die historische Entwicklung von den Anfängen im 8. Jahrhundert bis in die Gegenwart und die landeseigenen Traditionen und Besonderheiten. Gedruckt wurde meist nicht mit beweglichen Lettern unter einer Presse, sondern von Platten, abgezogen in Reibertechnik. Die Druckstöcke waren wertvoll und wurden aufbewahrt und oft noch nach Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten für den Nachdruck genutzt. Auf mehreren Tischen hatte er Beispiele aus seinen Schatztruhen ausgebreitet, darunter sehr alte Stücke und Unikate, auf feinen und dennoch robusten Papieren gedruckt, in Kästchen wohlverwahrt vor der in Japan drückenden Luftfeuchtigkeit und dem gefährlichen Insektenbefall. Neben gedruckten Partien finden sich darin kunstvolle Kaligraphien und Tuschzeichnungen. Diese mit typischen Motiven wie Blumenarrangements, Zweigen mit Vögeln und Frauengestalten. Auch ein alter Druckstock aus dem 17. Jahrhundert lag auf dem Tisch. Die Besucher waren aufgefordert, sich mit den Drucken näher zu beschäftigen und durften die Papiere betasten und in den Drucken blättern. Im Gespräch mit dem Sammler erhielten die Teilnehmer weitere Informationen und Anregungen zur künftigen Beschäftigung mit dem Thema. 

Carsten Wurm s. a. Marginalien H. 259

Staatsbibliothek Unter den Linden
Unter den Linden 8
10117 Berlin
Deutschland

Mit
Eberhard Amtmann
Zuständige Regionalgruppe
Berlin-Brandenburg