Buslinie 51 Richtung Aidenbachstraße nehmen
In den Bus kann man entweder aus den U-Bahnlinien
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Oder
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Exkursion durch den Waldfriedhof in München
Aktion
Den Pirckheimern steht mit einer gut zweistündigen Exkursion durch den Waldfriedhof in München ein weiteres Highlight bevor.
Wir treffen uns dazu am 21. Mai 2026 um 11 Uhr am Haupteingang in der Fürstenrieder Straße.
Dort werden wir mit Dr. phil. Gerd Holzheimer in die literarische Vergangenheit wandern. Dr. phil. Gerd Holzheimer muss ich in unserem Kreis nicht mehr vorstellen. Er ist Verfasser von über dreißig Büchern, zuletzt Biographie über den „Apfelpfarrer Korbinian Aigner“, Künstlerischer Leiter der Veranstaltungsreihe Literarischer Herbst im Fünfseenland und Herausgeber der Zeitschrift Literatur in Bayern. Als literarischer Landvermesser leitet er literarische Exkursionen weltweit und in seiner Heimat an der Würm. Kurator verschiedener Ausstellungen, Mitarbeit an Filmen, Vorträge zu kulturhistorischen Themen.
Die Landeshauptstadt München zeichnet 2013 Gerd Holzheimer mit dem Ernst-Hoferichter-Preis aus, der an Künstler verliehen wird, die „Originalität mit Weltoffenheit und Humor verbinden“. 2015 wird er Kulturpreisträger des Landkreises Starnberg.
Der Waldfriedhof in München
Ein Besuch auf einem Friedhof ist immer auch ein Stück Erinnerungskultur. In ganz besonderem Maße trifft das auf den Waldfriedhof in München zu. Ein Gang durch seine weitverzweigten Wege kommt einem Gang durch Literatur- wie Kulturgeschichte und auch durch die politische Geschichte gleich. Der Waldfriedhof, von 1905 bis 1907 angelegt ist der größte in München. Er liegt auf dem ehemaligen Forst von Schloss Fürstenried. Und die Anlage selbst ist ein Meisterstück von Hans Grässel, der das Stadtbild von München überhaupt sehr stark geprägt hat.
Exemplarische Vorstellung dreier Objekte (Eingangssituation, Anlage für Hans Grässel, Anastasia-Kapelle):
Schon die Eingangssituation ist hochinteressant: Thema Sphingen auf dem Portal. Mit „Sphinx“ verbinden wir automatisch das Rätselhafte, auch Gefährliche. Wer ihre Frage nicht beantworten kann, wird gefressen, und das waren alle, auf dem Weg nach Theben. Ödipus war der erste, der ihren Fängen entging. Dafür bekam er zum Lohn die Königin Iokaste zur Frau – seine Mutter. Witwe des von ihm gleichfalls im Unwissen, dass es sein Vater sei, erschlagenen Laios. Das Rätsel seines eigenen Daseins bleibt ihm verborgen. „Du schaust umher und siehst nicht, wo du stehst im Üblen, / Nicht, wo du wohnst, und nicht, mit wem du lebst – / Weißt du, von wem du bist?“, heißt es im König Ödipus des Sophokles.
Allenthalben verschwanden auf Münchner Friedhöfen Sphingen, so am Westfriedhof und am Nordfriedhof. Ein regelrechter Sphingenfresser namens Max Panitz, seines Zeichens Baurat, wird von Heißerer dafür verantwortlich gemacht. Erich Scheibmayr, Autor von Letzte Heimat – Persönlichkeiten in Münchner Friedhöfen (München 1984), mit dessen Buch (genauer gesagt sind es drei) Begräbnisstätten zu kulturellen Gedenkstätten wurden, nennt Panitz „brutal“, einen „wilden Hund“, einen „Zerstörer“. Die Sphingen auf dem Haupteingang am Münchner Waldfriedhof hat er nur deshalb verschont, weil sie so „erhaben auf jeweils zwei steinernen Toren“ liegen.
Ein paar Meter weiter kommen wir zu der Rotunde, die als Anlage für Hans Grässl gedacht ist. (Würdigung, signiertes Buch, Grab neben der Rotunde). Auf der Rückseite findet sich, aber nur wer es weiß: Goethes Sonett „Natur und Kunst“ in Stein gemeißelt. „Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen / Und haben sich, eh man es denkt, gefunden; / Der Widerwille ist auch mir verschwunden, / Und beide scheinen gleich mich anzuziehen…“
Auswahl einzelner Gräber
Das erwähnte Buch von Erich Schreibmayr ist ein guter Cicerone für unseren Gang über den Waldfriedhof. Kleines name dropping, damit man ungefähr erkennen kann, wohin die Reise geht:
12 Familie Mann
13 Circus Krone
17 Die Wedekinds
22 Kurt Huber
43 Bandera, Bierbaum, Heyse
44 Lena Christ
38 Alfons Goppel, Josef Ruederer
131 Max Reger
95 Franz von Stuck…
Und natürlich etliche andere mehr, darunter ein paar echte „Geheimtipps“:
Grab der Vera Ouckama-Knoop (1900 – 1919) (ihr hat Rilke Die Sonette an Orpheus gewidmet mit dem Untertitel: „Ein Grab-Mal für Wera Ouckama Knoop“)
Das Grab des Malerpaares Maria Uhde (1892 – 1918; Tod bei der Geburt ihres Sohnes Markus) und Georg Schrimpf (1889 – 1938)
In der Amalienstr. 42 Rgb. II befand sich das Atelier des Malers Georg Schrimpf (1889 München – 1838 Berlin), Freund von Oskar Maria Graf, in dessen autobiographischen Schriften Schrimpf eine große Rolle spielte (u.a. über den Tod von Schrimpfs Lebensgefährtin, der Malerin Maria Uhden: „Das Unglück. Eine Künstlergeschichte“, sowie „Ein barockes Malerporträt“, 1950 erschienen in der Sg. „Mitmenschen“; Schrimpf portraitierte seinerseits Graf (Galerie im Lenbachhaus).
Julia Löhr (1877 – 1927), Schwester von Heinrich und Thomas Mann, für den sie das Vorbild abgab als Ines Institoris in seinem Roman Doktor Faustus. Der eigentümlich seltsame, wenngleich nahezu unleserliche Spruch auf dem Grab von Julia Löhr, geb. Mann lautet: „Gott, ich danke dir für alles Glück, das du mir gesandt hast und noch viel mehr für jedes Unglück“. Um Himmels willen, was hat denn das zu bedeuten, wenn ihr Bruder Thomas schreibt, sie hätte sich „vor Gattenekel“ das Leben genommen? Dumpf ahnt man das Schreckliche.
Georg Kannewischer (1897 – 1972), zählt zu den ältesten Mitarbeitern des Bayerischen Rundfunks: seit 1929 Komponist, Dirigent und Arrangeur von Musiksendungen, Leiter der Hauptabteilung Musik. Langjähriger Briefwechsel mit dem Kiem Pauli (ein Exemplar wird in dem Exkursions-Rucksack mitgeführt und kann am Grab gezeigt werden), womit sich ein weiterer roter Faden durch die Exkursion zieht: der Kiem Pauli war lange Zeit zusammen mit Kurt Huber, dessen Grab ja auch besucht wird, in den Bergen unterwegs, um Volkslieder zu sammeln, Grundlage für das spätere, gemeinsam herausgegebene Altbayerische Liederbuch.
Anastasia-Kapelle: eine Kirche der ganz besonderen Art
Eine hölzerne urspr. provisorische Kirche. Man kann nur einmal im Jahr in sie hineinblicken, sonst sind die Türen verschlossen: die Anastasia-Kapelle im alten Teil des Waldfriedhofs. Nur bei der Mai-Andacht, an der auch schon der orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis teilgenommen hat, kommt man hinein.
Was schade ist, denn die Ausmalungen - gestaltet vom 1988 verstorbenen Maler Max Lacher - sind sehr besonders. Lacher gestaltete die Kapelle kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aus. Er stellt die Pein Jesu dar, jedoch sind dessen Peiniger klar als Nationalsozialisten mit braun-schwarzer Kleidung dargestellt – eine einmalige ikonographische Darstellung. Auch Adolf Hitler kann man auf dem Gemälde erkennen, mit Spiegel um die Ecke schauend. Max Lacher (1905 – 1988) malte nicht nur von 1946–1949 die Fresken der Anastasiakapelle, 1956 zum Beispiel übernahm er in München die Fassadengestaltung des Textilhauses Ludwig Beck am Rathauseck, in Sgraffito- und Steinintarsien-Technik.
Am Ende: Michael Ende
Waldfriedhof Praktische Hinweise:
Der kulturgeschichtliche Gang beginnt am Haupteingang des Waldfriedhofes, Fürstenrieder Straße. Das ist auf Jahre hinaus von der Verkehrsanbindung her problematisch, aber sowohl thematisch wie dramaturgisch notwendig.
Es ist dringendst notwendig, ein öffentliches Verkehrsmittel zu benutzen. Verursacht durch die städtebauliche Schnapsidee, eine Trambahn-Trasse durch die Fürstenrieder Straße zu legen, gibt es keine Parkplätze mehr an der Fürstenrieder Straße und damit auch als Parkmöglichkeit für den Waldfriedhof. Selbst der einst großzügig eigene Parkplatz für den Waldfriedhof fiel dieser „Nicht-Planung“ zum Opfer. Also: Nicht mit dem privaten PKW anfahren! Das kann durch den ebenfalls allfälligen Stau eine Verzögerung von wenigstens einer halben Stunde ergeben, bis man aus dieser Mausefalle überhaupt wieder herausfindet; noch immer ohne einen Parkplatz zu finden.
Einzige Möglichkeit:
Buslinie 51 Richtung Aidenbachstraße nehmen
In den Bus kann man entweder aus den U-Bahnlinien
U 6 Holzapfelkreuth
Oder
U 5 Laimer Platz
umsteigen.
Die reine Gehzeit der Exkursion beträgt etwas mehr als zwei Stunden.
Es empfiehlt sich, im Anschluss eine Einkehr im Restaurante Busento gegenüber des Haupteingangs einzuplanen, und zwar nach der Mittagszeit, also nach 14 Uhr, da das Lokal bis zu dieser Zeit überlastet ist. Reservierung ist unbedingt notwendig.
Bitte bei Teilnahme auch anmelden bei: rabenbauer@pirckheimer-gesellschaft.org
Ich freue mich auf Ihren Besuch und wünsche Ihnen bis dahin alles Gute.
Hans Rabenbauer
Regionalgruppe der Pirckheimer in Bayern
Waldfriedhof in München
Fürstenrieder Straße
81377 München
Deutschland